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Positivismus

 

philosophische Strömung, die das Gegebene (d. h. das Wahrnehmbare und Tatsächliche) zur Grundlage der Erkenntnis macht und jede Metaphysik und Theologie als Mittel zur Erkenntnisgewinnung ablehnt. Der Begriff geht auf den französischen Philosophen Auguste Compte (1798-1857) zurück. Andere wichtige Vertreter des Positivismus waren die Briten John Stuart Mill und David Hume.

Der Positivismus beschränkt jede Philosophie und Wissenschaft auf das Reich der Erscheinungen. Fragen nach dem Wesen oder der letzten Ursache einer Sache oder der Natur bezeichnet der Positivismus als nutzlos. Aufgabe des Menschen ist es, erstens die Tatsachen in den Erscheinungen zu erkennen, zweitens sie nach bestimmten Gesetzen zu strukturieren und zu ordnen und drittens aus den so erkannten Gesetzen die zukünftigen Ereignisse vorherzusehen, um sich danach einzurichten. Im Positivismus ist damit die Philosophie bzw. Geisteshaltung der Naturwissenschaften mit der Zielsetzung der pragmatischen Erkenntnis und Kontrolle der Natur begründet und vorgezeichnet. Ein weiterer wichtiger Gedanke des Positivismus ist das pragmatische Streben nach dem gesellschaftlich Nützlichen.

Geistesgeschichtlich ist der Positivismus die Weiterführung des Rationalismus, der schließlich in letzter Konsequenz zum Materialismus führt. Seine Verdienste hat der Positivismus als erkenntnistheoretische Methode, insbesondere für die Naturwissenschaften. Es hieße aber das Kind mit dem Bade ausschütten, wollte man, wie der Positivismus, nur das positiv Mess-, Wäg- und Zählbare als Gegenstand menschlichen Denkens und Strebens zulassen. Wesentliche Phänomene und Erfahrungen des Menschseins, wie z. B. die Sinnfrage, Werte und Tugenden, Ideale sowie die Frage nach dem Glück, werden im Positivismus ignoriert bzw. nivelliert.

Autor: Helmut Müller 

 

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 24. September 2008 )
 
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