Begründer des sogenannten „kritischen Idealismus“ und einer der einflussreichsten Denker der Neuzeit.
Kant lebte als Hauslehrer, Privatdozent und Unterbibliothekar in seiner
Geburtsstadt und schlug alle Lehrstuhlangebote anderer renommierter
Universitäten aus, bis er 1770 von der Universität Königsberg eine
Professur für die Fächer Logik und Metaphysik annahm.
In seinem berühmten Werk „Kritik der reinen Vernunft“ stellt er die
gesamte vorherige Metaphysik als unkritisch und dogmatisch in Frage. Er
untersucht die Möglichkeit einer Philosophie als Wissenschaft, und zwar
durch die Analyse des menschlichen Erkenntnisvermögens und seiner
Grenzen. Wahre Erkenntnis ist nur im Zusammenwirken von Sinnlichkeit
und Verstand möglich und bezieht sich nicht auf die „Dinge an sich“,
sondern nur auf die Erscheinungswelt. Kant lehnt alle spekulativen,
nicht auf die Erfahrung gestützten Aussagen über die Seele, Gott, die
Unsterblichkeit oder das Weltganze als Anmaßung ab.
In seiner Ethik (Kritik der praktischen Vernunft, Grundlegung zur
Metaphysik der Sitten) betont er die Freiheit des Menschen zur Vernunft
und beschreibt die Vernunft als die höchste und letzte Autorität der
Moral. Er stellt ein oberstes und allgemeines ethisches Gesetz auf, den
sogenannten kategorischen Imperativ: „Handle nur nach der Maxime, durch
die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
Berühmt geworden ist auch Kants Definition der Aufklärung: „Aufklärung
ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten
Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines eigenen
Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbst verschuldet
ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht im mangelnden
Verstand, sondern im fehlenden Mut begründet liegt. Habe den Mut, dich
deines Verstandes zu bedienen.“ Dieser Leitsatz ist 200 Jahre nach
Kants Tod noch höchst aktuell...