Hypathia von Alexandrien
Neuplatonische Philosophin und Naturwissenschaftlerin
Sie lebte ca. 370 bis 415 in Griechenland und war eine berühmte
Philosophin und Mathematikerin. Ihr Wissen lernte sie größtenteils aus
den Büchern ihres Vaters, Theon, einem Astronom und Mathematiker. Er
erkannte schon früh die außerordentliche Begabung seiner Tochter und
ermöglichte ihr eine ausgezeichnte Ausbildung, was damals für Mädchen
höchst ungewöhnlich war.
Aufgewachsen in Alexandrien, blieb sie unverheiratet und übernahm mit
31 Jahren die Direktion einer neuplatonischen Elite-Schule. Dort lehrte
sie Philosophie, Mathematik, Astronomie und Mechanik. Aus vielen
Ländern kamen Gelehrte nach Alexandrien, um mit ihr zu diskutieren und
von ihr zu lernen. Ihre Lehren waren in ganz Ägypten bekannt.
Einer ihrer bekanntesten Schüler war der Bischof Synesios von
Ptolemais. Seine Briefe an sie lassen tiefen Respekt vor ihr erkennen.
Sie schrieb viele Bücher, leider sind die meisten davon nach ihrem Tod
vernichtet worden, jedoch existieren Hinweise in zeitgenössischen
Werken. Am bedeutensten sind ihr dreizehnbändiger Kommentar zur
"Aritmetica" des Diophant, dem Vater der Algebra, sowie ein
achtbändiger Kommentar zu den "Kegelschnitten" des Apollonius von
Perga, der Anteil am Durchbruch des heliozentrischen Weltbilds hatte.
Und sie erfand die Senkwaage, das erste Laborgerät mit dem man das
spezifische Gewicht von Flüssigkeiten messen konnte.
Im Jahr 415 wird sie im Zuge religiöser Wirren während einer
"Säuberung" der Stadt Alexandria von einem fanatischen christlichen
Pöbel grausam umgebracht. Sie befand sich gerade auf dem Weg zur
Akademie, an der sie lehrte. Obwohl sie in den Kreisen von
fortschrittlichen Wissenschaftler verkehrte, wurde sie von den Christen
aufgrund ihrer Lebensweise angefeindet. Sie schätze Naturgesetze höher
als Glaubensdogmen, außerdem waren zu ihrer Zeit weibliche Lehrer
unüblich und in vielen Kreisen nicht gern gesehen.
Das Attentat geschah auf den Befehl von Kyrillos, dem Patriachen von
Alexandria. Mit Bestechungen sorgte er später dafür, dass
Untersuchungen zur Ermittlung des Mörders von Hypatha nicht
weiterverfolgt wurden.
Ihre Entscheidung und den Mut, als eine der ersten Frauen an einer
Akademie zu lehren, musste sie mit ihrem Leben bezahlen. Aber wir sehen
durch sie, dass Mathematik sehr wohl ein Fach für Frauen ist.
Autorin: Sonja Luckeneder
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