Heloise
Geliebte, heimliche Ehefrau und Nonne
Gründungsäbtissin des Bennediktinerinnenklosters Le Paraclet in Frankreich
Heloise wurde vermutlich 1100 in Paris geboren, ihre Mutter Hersindis
ist früh gestorben und da ihr Vater unbekannt war, kam Heloise zu ihrem
Onkel und Vormund Fulbert, dem Kanoniker von Notre-Dame nach Paris.
Dort erhält sie Unterricht von Petrus Abaelardus, dem wesentlich
älteren großen französischen Scholastiker. Abaelardus war damals Lehrer
an der Pariser Domschule, aus der die spätere Universität "Sorbonne"
hervorging. Die beiden verliebten sich über alle Maßen ineinander und
studierten zusammen antike Autoren und Kirchenväter. Sie gebar ihm 1118
den Sohn Astrolabius und die beiden heiraten heimlich in Paris.
Nach diesem kurzem Glück waren die beiden ein Leben lang getrennt und
dennoch blieben sie ein Herz und eine Seele, bis über den leiblichen
Tod hinaus. Ein Paar das eine derartige Intensität der Gedanken und
Gefühle hatte, gibt es selten in der Geschichte. Ihre höhere
Bestimmtung verband sie bis zum Ende miteinander. Was als bloße
Leidenschaft begann, wurde zu einer reifen Liebebeziehung, die selbst
der Tod nicht zu zerstören wusste.
Denn Heloises Familie, unter Führung ihres Onkels Fulbert, veranlasste
nach der Geburt des Kindes die Kastration Abaelards, der die
Verstümmelung jedoch überlebte. Er zog sich draufhin als Mönch in das
Kloster St. Denis zurück und lies sich zum Priester weihen. Er bat
seine Gattin, dasselbe zu tun. Deshalb übergab Heloise Ende 1118 ihren
Sohn Astrolabius, der noch ein Baby war, der Familie ihres Mannes und
trat in das Benediktinerinnenkloster Argenteuil ein. Ab 1123 war sie
dort Priorin, bis Abt Suger von Saint-Denis Besitzansprüche anmeldete
und den Konvent 1129 aus dem Kloster vertrieb. Zuflucht fanden die
Nonnen in Petrus Abaelards verlassener Einsiedelei Le Paraclet in der
Nähe von Nogent-sur-Seine, wo Heloise zunächst Priorin, später als
Äbtissin ein neues Benediktinerinnenkloster aufbaute, das schnell wuchs
und bis zu Heloises Tod sechs Filialklöster gründete. Sie war eine der
klügsten und gebildetsten Frauen ihrer Epoche und soll ebenso schön
gewesen sein. Heloise und Abaelard waren Schwellenmenschen in dieser
Zeit der Aufbruchstimmung im 12. Jahrhundert, das nicht ganz zu Unrecht
auch Renaissance des Mittelalters genannt wird.
Abaelard blieb Heloise ihr gesamtes Leben lang brieflich verbunden. Er
war ein inniger Ratgeber, ihr ökonomischer und geistlicher Betreuer und
förderte die Errichtung des eigenständigen Nonnenklosters. Der zum Teil
erschütternde Briefwechsel zeigt wie Heloise ihrem einstigen Lehrer im
bewussten Durchleben ihrer Liebe überlegen ist, wie sie über sich
hinauswächst und immer souveräner wird. Sie schreibt: "Ich hätte keinen
Augenblick gezögert, dir selbst in die Hölle vorauszugehen oder
nachzueilen.... Meine Seele war ja nicht mehr bei mir, allein nur bei
dir."
Jedoch akzeptiert sie ihr Schicksal und betrachtete das Leben das Leben im Kloster als Chance, Gott nahezukommen.
1140 wurde Abaelard von Papst Innozenz II. wegen seiner Bemühungen um
eine vernunftorientierte Begründung des Glaubens als Ketzer verurteilt.
Seine Gesinnungsethik, die auch von Heloise geteilt wird, erregte
Anstoß: Nicht nur auf die Tat kommt es an, sondern auch auf die innere
Einstellung. Seine Gebeine wurden im Kloster Le Paraclet bestattet.
Etwa 1164 starb Heloise dort und wurde neben Abaelard begraben. Nachdem
das Kloster 1792 in der Zeit der Französischen Revolution geschlossen
und fast restlos zerstört war, wurden Heloise und Abaelards Gebeine
1817 nach Paris gebracht zu ihren Ehren auf dem Friedhof Pere-Lachaise
ein wunderschönes neugotisches Grabmal errichtet.
Autorin: Karla Krist
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