Der
Sanskritbegriff „Ahimsa“ ist im Westen vor allem im Zusammenhang mit
dem erfolgreichen indischen Unabhängigkeitskampf unter der Führung von
Mohanda Karamchand Gandhi bekannt geworden.
Gandhi, der später
den Beinamen „Mahatma“ (= große Seele) erhielt, war eine der
eindrucksvollsten philosophischen Persönlichkeiten des vergangenen
Jahrhunderts und ein großartiges Beispiel für einen Menschen, dem seine
Philosophie nicht nur schöne Theorie, sondern immer praktische
Lebenshaltung war.
Die Besonderheit des indischen
Unabhängigkeitskampfs, die Befreiung von der britischen
Kolonialherrschaft ohne Anwendung jeglicher Gewalt, ist das Verdienst
von Gandhis praktisch gelebter Philosophie des Ahimsa. Himsa bedeutet,
einem anderen Lebewesen aus eigensüchtigen Motiven Leid zuzufügen.
Ahimsa
ist eine Haltung, die gerade das unter allen Umständen zu vermeiden
sucht. Diese Haltung fordert nicht die Ablehnung jeglicher Form der
Gewalt. In Ausnahmefällen ist Krieg und aktiver Widerstand als
notwendiges Übel in Kauf zu nehmen.
Soweit sich Gewalt aber
irgendwie vermeiden ließ, wählte Gandhi den Weg des passiven
Widerstandes als einen Weg des „Widerstandes der Seele“. Passiver
Widerstand setzt voraus, für eine einmal erkannte Wahrheit auch dann
einzustehen, wenn dies Opfer und Leiden bis hin zur Selbstaufgabe
erfordert. Gandhis Fastenaktionen, die ihn bis kurz vor den Hungertod
führten, sind das beste Beispiel dafür: Sie führten zu einem –
zumindest vorübergehenden – Abebben der Gewalt zwischen Moslems und
Hindus nach der Erringung der Unabhängigkeit.
Autor: Kathie Honsell