Das Universum als Antwort
Welche Prinzipien regieren den Kosmos?
Der Mensch hat viele Fragen an sich und an das Universum –
so betrachtet, bilden das Universum und die Natur, in der der Mensch
sich entwickelt, ein harmonisches Ganzes. Wenn wir aber im Allgemeinen
vom Universum sprechen, verlieren wir den Grundgedanken, auf den wir
uns hier beziehen, aus den Augen. Wir sprechen vom Universum und
meinen: Sterne, Planeten, Tiere, Himmel und Erde, Wasser und Schnee ...
– und wir vergessen darüber den eigentlichen Sinn und die Bedeutung des
Begriffes „Universum”.
Universum bedeutet „auf ein Ganzes gerichtet”. Unsere Frage ist
folgende: Wohin bewegt sich dieses Universum? Dies ist vielleicht der
erste gemeinsame Ausgangspunkt für die gesamte Menschheit. Alle
vergangenen Zivilisationen stellten sich diese Frage in ihren
Religionen, ihrer Metaphysik und ihrer Philosophie: Warum existiert das
Universum? Wohin bewegt es sich? Die modernen Kulturen
materialistischer Prägung begannen – vor allem seit der Epoche nach
Déscartes – die typischen Merkmale des Universums, seine Größe, seine
Form, sein Gewicht etc. aufzugliedern und zu untersuchen.
Seitdem behauptet der Mensch das Universum zu
kennen, weil er den Sternen Namen gegeben hat; weil er die Entfernung
zwischen Erde und Mond gemessen hat; weil er um die Beziehung der
chemischen Elemente und um die Merkmale der physikalischen Kräfte weiß.
Die Kenntnisse auf den einzelnen Gebieten sind zweifellos vertieft
worden, aber der Zusammenhang ist verloren gegangen: In der
Gesteinskunde lehrt man uns z.B., die Steine voneinander zu
unterscheiden; wir erfahren, was die tektonischen Bewegungen an
Veränderungen an der Erdoberfläche hervorgerufen haben – über den Sinn
der Materie jedoch erfahren wir nichts.
Stellen wir uns Folgendes vor: Wir nehmen einen
Gegenstand in die Hand und lassen ihn plötzlich los. Wir sehen, dass er
zu Boden fällt, und zwar an die tiefstmögliche Stelle; d.h. es besteht
eine natürliche Anziehung zwischen dem kleinen Stück Materie und dem
großen, auf dem wir uns befinden. Diese materielle Anziehung ist
unerschöpflich.
Was können wir z.B. aus der Natur des Minerals
entnehmen? Es besitzt Härte, ein Streben nach Bestimmung. Wer von uns
kann behaupten, dass wir dieses Streben nach Bestimmung mit den Steinen
gemeinsam haben? Treffen wir auf ein Hindernis, so kämpfen wir im
Allgemeinen eine Zeit lang dagegen an, und gibt uns das Hindernis nicht
den Weg frei, so öffnen wir ihn uns. Die Dinge in der Natur, wie z. B.
die Steine, besitzen Härte, um sich auf der Suche nach ihrer
endgültigen Bestimmung über die Zeit zu erheben.
In den Schulen werden den Kindern die verschiedenen
Merkmale der Pflanzen gelehrt; so wissen sie z.B., wie es zur Bildung
des Blattgrüns einer Pflanze kommt. Aber über das Phänomen der
Photosynthese hinaus sollten sie auch die Fähigkeit der Pflanze kennen,
zu warten und zu wachsen. Ein kleines Korn, vergraben unter dem Schnee
in der Wintererde, erwartet geduldig den kommenden Frühling. Wenn es so
weit ist, erhebt es sich, sucht Luft und Sonne – davon erzählt uns
niemand. Das Sich-Aufrichten interessiert uns, der philosophische
Gesichtspunkt, die letzte Ursache, die alles in Bewegung hält.
Oder nehmen wir das Wasser als Beispiel: jedes
fließende Wasser strebt dem Meer zu, dort verdunstet es, steigt wieder
auf, kondensiert und beginnt seinen Zyklus von neuem: Das Universum
besitzt eine zyklische Finalität.
Durch die Veränderungen, die sich im Laufe der
vergangenen Jahrhunderte ergeben haben, durch die von Materialismus,
Produktions- und Konsumzwang hervorgerufene Entfremdung hat der Mensch
das Verständnis für die Natur verloren. In früheren Zeiten fragte man
nicht danach, wie viele Kilometer Erde und Mond voneinander trennen,
man suchte vielmehr die Bedeutung des Mondes innerhalb des Universums
zu ergründen. Durch die alten Wissenschaften, wie die der Astrologie,
versuchte man die Erscheinungen der Natur zu deuten und sie mit jener
anderen Erscheinung in Einklang zu bringen, die wir „Mensch” nennen.
Das verlieh den Menschen des Altertums die Gewissheit, von
intelligenten Wesen umgeben zu sein und ermöglichte es ihnen, sich
selbst auch als solche zu erfahren.
Das Problem heute besteht in einem Gefühl der
Isoliertheit inmitten des Universums. Da wir ständig mit künstlichen
Dingen in Berührung sind, haben wir die Fähigkeit verloren, nach einem
Sinn in den Dingen zu suchen und – was schlimmer ist – ihn in unserem
eigenen Leben zu finden. Wir leben von Augenblick zu Augenblick und
haben auch den religiösen Sinn des Lebens vergessen: den Ursprung und
Zweck unseres Daseins. Unser Leben wird so zum Augenblick, dem
Zeitlichen unterworfen; mit der Gewissheit, dass der Zufall uns
geschaffen hat und wir irgendwann wieder verschwinden werden. Dieser
unterbewusste Gedanke erschreckt und verdirbt uns. Aber anstatt die
Bedeutung der Natur zu erforschen, versucht man, eine Reihe von völlig
künstlichen Scheinlösungen zu schaffen.
Während einer Vorlesung sprach ich mit Schülern von
Neue Akropolis über die Beschaffenheit der Blätter an den Bäumen: Die
Zellen für die Atmung befinden sich an der Unterseite der Blätter und
nicht, wie man annehmen könnte, an der Oberseite. Warum? Einfach um
eine Verstopfung durch den umherfliegenden Staub zu vermeiden;
unterhalb des Blattes sind die Zellen geschützt und können Luft holen.
Ist das Zufall?
Ist es Zufall, dass die Farbe der
Schmetterlingsflügel sie den Blättern der Pflanzen und Blüten zum
Verwechseln ähnlich macht, damit die Vögel nicht nach den Faltern
schnappen? Ist es Zufall, dass die Flügel der Eulen fransig geformt
sind, damit ihr so unhörbarer nächtlicher Flug die Kaninchen
überlistet? Ist es Zufall, dass die Ohren der Nagetiere nach hinten
gerichtet sind, um den geringsten Laut eines Verfolgers zu
registrieren? Ist die Anzahl der Farben, aus denen das weiße Licht
zusammengesetzt ist, Zufall? Die Einteilung der Töne – ist sie
zufällig?
Offensichtlich ist das ganze Universum so
zusammengesetzt, dass es eine Einheit ergibt; wir in Neue Akropolis
betrachten dies als eine Art pyramidalen Sinn der Existenz, durch den
alles trotz der großen Vielfalt einem einzigen Ziel zustrebt; alles
trifft sich in einem Punkt, alles wird von einer Einsicht regiert.
Vor nicht allzu langer Zeit, während des Zweiten
Weltkrieges, hatte man die V-Form als die effektivste Art des
Formationsfluges entdeckt. In dieser Gruppierung wird die Maschine an
der Spitze fortlaufend durch die nachfolgende ersetzt. Man hat
festgestellt, dass sich durch diese Formation die Fluggeschwindigkeit
der Staffel erhöht. Die Enten fliegen alle in Form eines riesigen V;
die kräftigste Ente übernimmt die Führung an der Spitze und die anderen
folgen in ihrem Windschatten.
Es ist schwer vorstellbar, dass dies alles Zufall
wäre. Der Mensch brauchte Jahrhunderte, die Mechanismen der Natur zu
begreifen, und wir könnten noch unzählige Beispiele dafür anführen, wie
gut durchdacht die Natur ist. Die Summe all dessen kann nicht vom
Zufall gelenkt sein! Wir müssen anerkennen, dass alles von einer
universellen Intelligenz geplant ist. Wenn wir das akzeptieren, müssen
wir uns weiter fragen: „Wozu dient dieser Plan?” Es ist unbegreiflich,
dass alles schon geplant sein soll. Wenn alles schon konzipiert war,
welchen Sinn sollte es haben? Suchen wir die Antwort im Universum:
Warum es vorausgeplant ist, wohin es uns führt und woher wir kommen.
Unsere Philosophiestudien in Neue Akropolis haben
uns einige interessante Prinzipien bzw. Gesetze erkennen lassen, die
wir den „pyramidalen Sinn des Universums” nennen. Im Folgenden soll
dies ganz allgemein näher erklärt werden:
Der pyramidale Sinn des Universums
Wir haben die „Pyramide” in sieben grundlegende
Prinzipien aufgegliedert, gemäß der natürlichen Unterteilung des
gesamten Universums. Das erste und gleichzeitig höchste Prinzip der
Natur ist das der EINHEIT. Alles in der Natur steht in einem
Zusammenhang und bildet eine lebendige Einheit. In ihr wird nichts
zerstört, sondern das Zusammenspiel aller Lebewesen erlaubt die
Erhaltung des Ganzen. Der Wolf in der Steppe verfolgt den Hirsch. Er
reißt jedoch nicht den jüngsten, sondern den ältesten, den kranken,
den, der die restliche Herde anstecken könnte. Wir sehen, dass Akte
vermeintlicher Grausamkeit oder Zerstörung in einer Weise vollzogen
werden, die der Art das Fortbestehen ermöglicht.
Die Natur kennt keine Zweifel; es gibt keine
Diskussionen; alles ist auf perfekte Verwirklichung und auf ein
einziges Ziel hin gerichtet.
Das zweite Prinzip ist das der ERLEUCHTUNG, sei sie
physischer oder geistiger Art. Die Wahrheiten bestehen; um sie aber
sichtbar zu machen, benötigen wir ein intellektuelles oder geistiges
Licht. Wenn wir manchmal behaupten, dass die Wahrheit nicht existiere,
dass es nirgendwo Halt gäbe, dass wir nichts hätten, dem wir folgen
könnten, dass wir vollkommen alleine wären, so trifft dies nicht zu;
wir befinden uns vielmehr im Dunkeln und müssen versuchen, das Prinzip
der Erleuchtung wiederzugewinnen.
Über das Prinzip der Erleuchtung gelangen wir in der
Folge zum dritten, dem der UNTERSCHEIDUNG. Alle Dinge der Natur sind
voneinander verschieden. Keines gleicht dem anderen. Das Prinzip der
Unterscheidung existiert, obwohl wir das nicht immer anerkennen. Nehmen
wir als Beispiel Sandkörner am Strand; für unsere Augen sehen sie alle
gleich aus, aber wenn wir sie aufmerksam unter einer Lupe betrachten,
werden wir bemerken, dass sie sich alle geringfügig voneinander
unterscheiden, dass jedes seine eigenen Merkmale aufweist. Deshalb
sollten wir mit dem Wort „Gleichheit” vorsichtig umgehen. Wir können
zwar gleichwertig sein, aber nicht gleich. Dadurch werden die Menschen
weder voneinander getrennt noch eingeordnet oder herabgesetzt, sondern
im Gegenteil bereichert, so wie sich auch ein Mosaik aus verschiedenen
Farben gleicher Schattierungen zusammensetzt. Gleichheit ist eine
Erfindung des Menschen; in der Natur gibt es sie nicht.
Das vierte Prinzip ist das der ORGANISATION. Alles
ist in einer bestimmten Art und Weise angeordnet. Nehmen wir den Baum
als Beispiel: ein dicker, fester Stamm, der über der Erde aufragt und
der einen ganzen Bau von Ästen und Vogelnestern trägt; was wir schon
weniger bemerken, ist der Aufbau unter der Erde, der ebenfalls aus
Verzweigungen besteht, die dem ganzen Gebilde seine Standfestigkeit
geben; dort nisten zwar keine Vögel, aber Würmer und anderes Getier.
Alles ist perfekt geplant und so durchdacht, dass ein Teil mit dem
anderen zusammenwirkt. Die Fehler, welche Menschen begehen, stammen aus
einem Mangel an Organisation.
Organisation bedeutet keineswegs Vermassung; auch
nicht Herrschaft der einen über die anderen. Organisation ist Hilfe.
Unsere Hände sind einander entgegengesetzt – und dennoch arbeiten sie
zusammen, um nach Dingen zu greifen; wären sie beide an einer Seite,
würde uns das Schwierigkeiten bereiten. Es ist daher nicht zu
übersehen, dass dieses Prinzip der Organisation besteht, auch wenn es
Dinge gibt, die einander entgegengesetzt sind. Dieses Prinzip erlaubt
uns eine Zusammenarbeit, ohne dass wir dabei unsere Identität
verlieren. Wir müssen es nur auf unser Leben anwenden.
Kommen wir nun zum fünften Prinzip, dem von URSACHE
UND WIRKUNG. Alles Kommende ist eine Wirkung des Vorhergegangenen, und
alles Vorhergegangene eine Ursache für das Kommende. Wir alle sind eine
Folge von etwas und bewirken gleichzeitig wieder etwas. Was immer wir
in Betracht ziehen, es ist immer ein Ergebnis, die Wirkung einer
Ursache, selbst die scheinbar unbelebten Dinge. Nichts kann Ursache
oder Wirkung alleine sein; das eine ist an das andere gebunden. Aus der
Nacht entspringt der Tag, dem Tag wiederum folgt die Nacht.
Das sechste Prinzip der LEBENSKRAFT besagt, dass
alles lebendig ist; alles, ohne Einschränkung. Seit der Mitte des 19.
Jahrhunderts bis hin in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts sprach man
noch von einer belebten und einer unbelebten Natur. Die Trägheit
verleitet uns heute immer noch dazu, dies zu wiederholen. Wir glauben,
etwas ist lebendig, wenn es wächst. Schon zu Beginn der Welt waren die
Dinge nicht nur lebendig durch die Fähigkeit der Bewegung, sondern auch
durch die Widerstandskraft. Alles besitzt Vitalität, die man im Orient
mit dem Wort „Prana” bezeichnet; Leben, das nicht endet und das selbst
in den von uns als tot bezeichneten Dingen fortbesteht – in einer
anderen, veränderten Form.
Wir gelangen schließlich zum siebenten Prinzip, dem
der ständigen WIEDERKEHR. Seit wir geboren wurden, wissen wir, dass Tag
und Nacht einander abwechseln, dass Sommer und Winter kommen und gehen.
Wir erlebten Wechsel und Gegensätze anderer Art, die wir nicht
begriffen, bis wir Platon
gelesen hatten, jemand sie uns verständlich machte und unsere Sinne
dafür erwachten. Da wurde uns erst bewusst, dass wir ein Teil dieser
Wiederkehr sind. Der gesamte Kreislauf umfasst einen noch größeren: den
des menschlichen Lebens. Warum aber sollten wir an diesem Punkt stehen
bleiben? Warum dieses menschliche Leben nicht als ein morgendliches
Erwachen eines noch größeren Zyklus sehen? Nach diesem körperlichen
Leben erwartet uns ein geistiges, das wie ein Traum aussieht; danach
wieder ein körperliches, dem ein geistiges folgt usw. Das Gesetz der
Zyklen umfasst alle Dinge, nichts bleibt stehen. Dieser Kreislauf ist
mit dem der Sterne vergleichbar, die sich zyklisch bewegen oder den
kleinen Korpuskeln in den Atomen.
Diese ständige Wiederkehr lässt uns fortwährend
leben und bewirkt ein gleichmäßiges Pulsieren. Alles Höhere, alles, was
nicht leicht zerstörbar ist, sollten wir aus der Natur erkennen können.
Das sollten wir pflegen, nicht nur unseren Körper. Wie weit pflegen wir
unsere Psyche? Wie viel geistige Nahrung nehmen wir täglich zu uns?
Unser Materialismus geht so weit, dass wir um Schäden besorgt sind, die
unser Auto erleiden könnte und dass wir uns um das Zerspringen einer
Vase oder eines Tellers kümmern… – aber unsere Träume, unsere
Hoffnungen, unsere Anstrengungen? Was bleibt übrig von den Traumvögeln
aus Kristall, wenn sie zerbrechen? Scherben, die unsere Hände
verletzen.
Wir müssen die Kraft besitzen, unsere zerbrochenen
Träume restlos zu zerschlagen, um aus dem übrig gebliebenen
Kristallpulver neue, flugfähige Vögel zu gestalten. Wir sollten wissen,
dass wir nicht nur dazu da sind, uns wie Schildkröten oder Schlangen an
die Erde zu klammern, sondern mit den Flügeln des Geistes fliegen zu
lernen. Es ist klar erkennbar, dass es Epochen und geschichtliche
Augenblicke gibt, in denen das Schreckgespenst des Materialismus und
die Angst vor dem Scheitern uns alle ergreift. Die Stunde ist gekommen;
der Moment zu fliegen, sich zu erheben, um eine neue Menschheit, einen
besseren Menschen zu schaffen. Wir können unsere gegenwärtige
Menschheit und moderne Kultur nicht wieder zusammenflicken – die
Geschichte wurde nicht von Schneidern gemacht. Wir müssen eine neue und
vertikale Geschichte hervorbringen. Die Philosophie darf dabei keine
neue Spekulation sein; Philosophie bedeutet nicht Rückzug, um das Leben
an sich vorbeiziehen zu lassen; sie hat auch nichts mit Traurigkeit und
Einsamkeit zu tun. Philosophie heißt Haltung und Stärke dem Leben
gegenüber zu besitzen, das Zusammenspiel der Geschehnisse zu verstehen.
Philosophie ist der Sieg über unseren inneren Tod, die Fähigkeit, sich
allen mitzuteilen und in die Tiefe der Seelen vorzudringen.
Weil wir vieles nicht erkennen, sagen wir, dass der
Mensch bei seinem Tod ins Unsichtbare entrückt, obwohl doch sein Wesen
immer unsichtbar ist. Der wahre Mensch steht immer hinter den Dingen,
die er vollzieht, hinter seinem physischen Körper, hinter seinen Worten
und Taten. Der Mensch ist eine große Frage, ein großes Rätsel.
Die Antwort liegt im Universum, in dem wir leben.
Sie steht auf den Mauern der Geschichte geschrieben, die uns umgibt.
Doch müssen wir erst lernen sie zu lesen; mit einer natürlichen Haltung
ohne Vorurteile.
Das, was wir der jüngeren Generation hinterlassen,
muss unverschmutzt sein: reines Denken, Ehrbegriffe, Glaube… – absolute
Werte.
Obwohl wir Unterscheidungsvermögen besitzen, fällt
es uns oft schwer, es richtig anzuwenden. Wer möchte schon ein Auto,
das nur gelegentlich funktioniert? Sicher niemand. Und doch akzeptieren
wir Ideen, die wir manchmal für gut halten und dann wieder nicht;
Grundsätze, die wir manchmal anwenden und dann wieder nicht. Hier
müssten wir ebenso zu einem gemeinsamen Nenner gelangen, wie wir ihn im
materiellen, physischen Bereich akzeptieren. Den geistigen Werten
müssen wir wieder den ihnen zukommenden Platz einräumen: den ihrer
absoluten Gültigkeit. Nur so werden wir sie erfassen und zu einem
besseren Verständnis des Universums gelangen können.
Wir brauchen eine neue Wissenschaft, die keine
künstlich geschaffenen Interessen verfolgt und in der es keine Gewalt
gibt. Wir brauchen eine neue Kunst, die nicht mehr vom unsicheren Boden
der Angst getragen wird, sondern uns mit dem Schönen verbindet. Wir
brauchen eine neue Politik, die den Menschen zu einem echten
Zusammenleben und zur Erhebung über die Welt der Dinge führt. Wir
brauchen eine neue Welt. Und sie existiert schon: Es ist das Universum,
die Natur. Was wir zu tun haben, ist den geschichtlichen Augenblick,
der für uns bestimmt ist, bewusst zu erleben. Wir müssen der Schlüssel
für das Tor der Geschichte sein, das uns den Weg zu einer neuen Ebene
weisen wird; in jene Welt, die nicht nur neu, sondern auch besser
ist.
Autor: Jorge Angel Livraga Rizzi
Der Autor war Gründer und erster Direktor von Neue Akropolis International.
Dieser Artikel wurde von Maria P. Benito übersetzt.
(aus: Abenteuer Philosophie Heft Nr. 86)
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