Der Bushido ist der von Asketismus geprägte Moralkodex der SAMURAI: Seine Anfänge liegen sehr weit zurück. Er ist angepasst an die Tugenden der japanischen Seele: Ritterlichkeit, Kampfeist und Schlichtheit charakterisieren ihn ebenso wie ein tief empfundener Ahnenkult und eine religiöse Verehrung für den Herrscher, der für sie Gott und Japan /ihre Heimat) repräsentiert. Er leitet seine Regeln von den höchsten Moralvorstellungen ab und behandelt in der Praxis alle Menschen als gleichwertig, ohne bestimmte KASTEN ODER Altersgruppen zu privilegieren, noch irgend jemanden auszuschließen.
Seine vier grundlegenden Prinzipien sind folgende:
- sich in der Ausübung seiner Ideale von keinem übertreffen zu lassen.
- seinem höchsten Herrn zu dienen.
- seinen Eltern gegenüber treu zu sein.
- in Andacht zu leben und sich zum Wohle der anderen aufzuopfern..
Die vier Gelübde, die man ablegen muss, sind:
- das Todesgelübde.
- das Treugelübde.
- das Gelübde des Anstandes.
- das Gelübde der Wachsamkeit.
Die Feinde des Bushido sind:
- die Müdigkeit.
- die Zerstreuung.
- die Sinnlichkeit.
- die Habsucht
Der Weg des Bushido oder die Laufbahn der Ritter bedeutet: Ein Leben, welches der Ehre, der Tapferkeit, der Höflichkeit und der Heimat geweiht ist, die vom Kaiser repräsentiert wirden. Ich bin tief davon überzeugt, dass der Bushido als Weg oder Führungsprinzip der Ritter ein perfektes Glaubensbekenntnis darstellt.
„Der Bushido" ist der Titel eines hoch interessanten und sehr nützliche Buches für die Jugend eines Volkes, welches nach einer lagen Periode der Dekadenz wiedergeboren wird und glanzvolle Größe und Freiheit anstrebt. Es ist außerordentlich geistig und verachtet den groben und sinnlichen Materialismus. Dieses Buch hat mich inspiriert, als ich Befehlshaber auf der Burg zu Toledo war; ebenso inspirierte es mich bei der Gestaltung der Credos der Legion. Ohne Opfer kann es weder Ehre, nach Tapferkeit, noch Religion geben und daher auch keine moralisch höherentwickelten Menschen, geschweige denn wirkliche Größen."
General Jose Nillan-Astray
Die sozialen Umstände, die zur Entstehung des Rittertums geführt haben, sind bereits verschwunden, nicht so jedoch der Glanz und das Rätsel um den Moralkodex seiner Ritter.
Das Wort „Bushido" setzt sich zusammen aus: BU (der Krieger), SHI (der Herr) und DO (der Weg). Hierbei handelt es sich um die Verhaltensnormen, welche für die edelmütigen Kämpfer sowohl in ihrem täglichen Leben als UCH IM Krieg gelten. Wir haben es hier nicht mit einem geschriebenen Kodex, sondern mit bestimmten Grundsätzen zu tun, die irgendein berühmter Krieger oder Weiser formuliert hat. Seine Kraft wurzelt nicht im Wort, sondern in seiner praktischen Ausübung seiner Botschaft, nicht das Werk eines einzelnen Menschen sondern das Ergebnis der Führung tausender von ihnen durch viele Jahrhunderte hindurch. Sogar die militärische Regeln (Buke-Hatto), welche im 17. Jahrhundert verkündet wurden, behandeln ausschließlich formale Aspekte: Ehen, Bündnisse, Burgen usw.
Er erreicht en Höhepunkt seiner Entwicklung während der Zeit des Feudalismus, der in Japan mit der Machtergreifung durch Yoritomo im 12. Jahrhundert einsetzt, obwohl der Ursprung des Feudalismus schon viel früher anzusetzen ist. Die Krieger haben zu jener Zeit eine wichtige Funktion übernommen. Sie waren nun Samurai oder Wächter, auch „Bu-Ke" oder „Bu-Shi" genannt, was soviel bedeutet wie „kämpfende Ritter". Es wurden nur die Stärksten und Entschlossensten aufgenommen; die Fruchtsamen und Schwache blieben einfach aufgrund der natürlichen Auslese ausgeschlossen. Hier begannen die Familien und Kasten der Samurai ihren Aufstieg: ein raues Geschlecht von männlichen Charakter und roher Kraft: Ihr Streben nach Ehren und Privilegien, sowie die Übernahme großer Verantwortungen, die ihnen Führungsregel: aus dem Kampf etwas Reines und Ehrenhaftes u machen.
Dieser Ritter, der weder die Schwachen missbrauchte, noch vor den Starken floh, verkörperte das militärische Prinzip in Verbindung mit der Moral
Die Quellen
a) Der Buddhismus mit seiner Einstellung des Vertrauens gegenüber dem Schicksal, die stille Fügung in das unvermeidliche, die stoische Gelassenheit angesichts der Gefahr oder des Unglücks, die Geringschätzung der irischen Existenz und die freudige Bereitschaft für den Tod.
b) Der „Zen" der das menschliche Streben darstellt, auf dem Weg der Meditation Gedankensphären zu erreichen, die sich jenseits der Ausdrucksmöglichkeiten menschlicher Sprache befinden. Seine Methode ist die Betrachtung und sein Ziel besteht darin, zur Überzeugung zu gelangen, dass es ein einziges Prinzip gib t, das alle Dinge beherrscht, und die Notwendigkeit zu erkennen, mit diesen in Harmonie zu treten. So entstanden vor dem Augen dessen, der darin die Perfektion erreicht hatte, ein „Neuer Himmel und eine neue Erde."
Der Buddhismus brachte den inneren Frieden, der Shintoismus ergänzte diesen mittels eines Einflusses in Zen durch seine Ergebenheit gegenüber dem Herrscher, seine Ehrfurcht im Andenken an die Vorfahren und durch die Liebe der Kinder zu ihren Eltern. Die Spiegel, die in den Shinto-Tempel angebracht sind, symbolisieren das menschliche Herz, welches, wenn es sich in vollkommener Ruhe befindet und rein ist, das wahre Bildnis der Gottheit widerspiegelt.
Der Samurai war nicht auf der Suche nach der physischen, sondern der geistigen Selbsterkenntnis. Um von dort zu diesem Individualbewusstsein entwickelt haben, da Heimat mehr bedeutet als nur das Land, der Boden, aus dem man Gold gewinnt und dessen Korn man erntet; sie ist der geheiligte Wohnsitz der Götter du der Seelen unserer Ahnen. Und für den Samurai war der Herrscher kein bloßer Verwalter, sondern der Vertreter des Himmels in Menschengestalt auf Erden. Er vereinigte in seiner Person die Macht und die himmlische Gnade. Die Dogmen des Shintoismus enthalten zwei fundamentale Elemente: Patriotismus und Treue; daher werden die beiden grundlegenden Regeln des Bushido die Treue gegenüber dem Herrscher und die Liebe zur Heimat sein. Seine ethische Grundlage entnimmt er (neben den energetische Theorien von Mencius) den Prinzipien von Konfuzius über die Verhältnisse zwischen Herr und Diener, Vater und Sohn, Ehemann und Gemahlin, den älteren und den jüngeren Bruder und dem zwischen zwei Freunden.
Aus einem unwürdigen Grund zu sterben wurde „Hundetod" genannt. Sich für einen mythische Prinzen, „in das wildeste Kampfgetümmel zu werfen und sich dort umbringen zu lassen, ist sehr leicht; der wahre Mut besteht jedoch darin, zu leben, wenn es notwendig ist zu leben, und zu sterben, wenn es notwendig ist zu sterben."
Ein Samurai wurde schon v on klein auf in allen Tugenden der Stärke, des Mutes und der Überwindung unterrichtet. Zu den Märchen und Rittergeschichten kamen praktische Übungen zur Stählung des Körpers und zur Festigung des Charakters hinzu. Viele Entbehrungen, lange Märsche ohne Essen und beseelt von der ständig gegenwärtigen Idee, eine starke Moral zu erlangen, all dies machte jene sagenumwobenen Krieger aus, welche Samurai genannt wurden und deren letzte Vertreter als „Kamikaze" - Piloten ihr Leben opferten. Ihre Erziehung war „spartanisch", man förderten besonders die Überwindung von Müdigkeit, Hunger Angst und Zweifel, ganz im Gegensatz zur heutigen Erziehung, die vor allen Erziehungsmitteln zurückschreckt, die Bequemlichkeit fördert und dabei bequeme und ängstliche Menschen hervorbringt.
Echter Mut kann nur durch kühles Blut und ruhige Geistesgegenwart erreicht werden. Gleichmut und Gelassenheit ist Mut in der Selbstbeherrschung; „ein Mann, der echten Mut besitzt, bewahrt immer seinen Gleichmut, niemals enthüllt er sein Erstaunen und nichts v ermag seine Seelenruhe zu erschüttern".
Der Kampf war nicht nur eine Frage der rohen Kraft, sondern er war zugleich auch ein intellektuelles Turnier. Ein Samurai misst seine Ehre und seinen Mut an der Ehre und dem Mut seines Feindes.
DIE GÜTE DAS MITLEID GEGENÜBER DEM SCHMERZ
Dies waren einzigartige Tugenden: einzigartig, da sie die ersten Plätze unter den Eigenschaften eines edelmütigen Geistes einnahmen und einzigartig auch, da sie sich vor allem für das Amt eines Prinzen eigneten. Wie Shakespeare sagte: „Die Güte stehe einem Monarchen besser als seine Krone."
Für Konfuzius und Mencius ist „Güte die höchste Pflicht eines Menschenführers."
Nie hat man den Fall erlebt, dass die Untertanen eines Fürsten, der mit Güte herrschte, nicht der Rechtschaffenheit zugetan gewesen wären. „Man kann keine Völker führen, ohne einen Platz in ihren Herzen zu haben.
Es war die Güte, die es ermöglichte, dass das Feudalsystem in Japan nicht in eine Militärdiktatur ausartete. Der Umstand, über Vasallen zu herrschen, steigerte das Verantwortungsgefühl eines Feudalprinzen gegenüber den Göttern und seinen Ahnen; er war ein Vater für seine Untertanen, die ihm der Himmel anvertraut hatte.
Der Bushido verwirklicht eine väterliche Regierung. Der Unterschied zum Despotismus besteht darin, dass das Volk im letztgenannten nur widerwillig gehorcht, aber im erstgenannten mit einer „stolzen Ergebenheit jenes würdigen Gehorsam, jenem Einverständnis des Herzens gehorcht, welche selbst in der Knechtschaft den erhabenen Geist der Freiheit lebendig erhält."
Wie auch Masamune es ausdrückte: „Rechtschaffenheit verwandelt sich, wenn sie übertrieben wird, in Härte. Güte degeneriert, wenn man sie ohne Maß walten lässt, zu Schwäche."
DIE HÖFLICHKEIT
Die Höflichkeit beruhte nicht auf der Angst, den Anstand zu verletzen, sondern war und muss vor allem die äußere form sein, in der sich die rücksichtsvolle Anteilnahme an den Gefühlen des Nächsten ausdrückt. Sie ist die Frucht der sozialen Beziehungen, die ursprünglich nicht auf einer Übereinstimmung, sondern auf der tatsächlichen Ungleichheit beruhten, die durch unterschiedliche Verdienste gegeben war.
Die äußere form der Höflichkeit war, wie schon Konfuzius andeutete, nur ein sehr geringer Aspekt derselben; das wahrhaft Bedeutende war ihr Inhalt.
Das komplizierte Zeremoniell, das man innerhalb des Bushido aufwendet, um eine Sache zu tun, hat seine Bedeutung; es war das Ergebnis langer Beobachtungen, die man zu dem Zweck anstellte, die beste Methode herauszufinden, um ein bestimmtes Resultat zu erzielen. Was auch immer zu verwirklichen ist, es gibt eine bestimmte Art es zu tun, welche sich besser eignet als alle anderen.
Über Betragen oder gesellschaftliche Umgangsformen vertrat die Schule von Ogasaware folgende Meinung: „der Zweck jeder Etikette liegt darin, unseren Geist derart zu kultivieren, dass es, selbst wenn ihr euch irgendwo in Ruhe niedergelassen habt, nicht einmal dem gröbsten Gauner in den Sinn kommt, es auch nur zu wagen euch anzugreifen. Das heißt durch die ständige Praxis der guten Manieren gelingt es einem, die verschiedenen Teile des Körpers und alle seine Fähigkeiten in eine so perfekte Ordnung und Harmonie zu bringen, dass auf diese Weise die Herrschaft des Geistes über den Körper offenbar wird."
Die guten Manieren sind wie eine Kraft in Ruhe, denn sie veranlassen den Menschen, seine Energien sparsamer und zweckmäßiger zu nützen. Wir dürfen nicht vergessen, das die Höflichkeit oder die guten Manieren durch eine Betraqchtu8ng erreicht werden, die zur Auswahl jener Form führt, durch die man die größte Erkenntnis und den höchsten Grad an Harmonie erlangt. Daher kommt es, dass in Japan die guten Manieren als ein gültiger Weg betrachtet werden um die Geistigkeit zu suchen. „Alle Wege führen nach Rom."
Durch Höflichkeit bringt man die Gesinnung zum Ausdruck, mit welcher die Dinge geschehen, und welche immer von harmonischen Benehmen begleitet sein muss.
WAHRHAFTIGKEIT UND AUFRICHTIGKKEIT
Für Masamune ist Höflichkeit ohne Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit bloß ein äußerer Schein, ein Trugbild, eine Farce. Konfuzius behauptet von der Aufrichtigkeit, dass sie „Anfang und Ende aller Dinge ist, und dass ohne Aufrichtigkeit nichts existieren würde". Für einen Samurai bedeuteten Lüge und Irrtum gleicher weise Feigheit. Bus-hi
zu sein erforderte eine weitaus größere Aufrichtigkeit, als sie von einem Händler oder Bauern verlangt werden könnte. „BUS-HI NO ICHI GON"; Dieses aus dem Munde eines Samurai bedeutet Garantie. „ Allein sein Wort hatte großes Gewicht, denn er wurde ihm nie untreu; eine Schriftliche Bestätigung zu fordern war eine Beleidigung für die Ehre eines Kriegers.
Einen Fluch oder irgendein unehrerbietiges Wort auszustoßen sowie einen falschen Schwur zu leisten, hatte den Verlust der Ehre zur Folge.
Innerhalb des Feudalsystems nahm der Handel den letzten Platz unter den Berufen ein:
- Ritter,
- Bauer,
- Handwerker und
- Händler.
Die Wege des Glücks waren niemals die der Ehre. Für den Bushido war die Ehrenhaftigkeit die edelste aller Tugenden. In Westen ist sie die beste Politik; ehrenhaft zu sein ist gewinnbringend. Der Unterschied zwischen einem Samurai und einem Menschen oder westlichen Welt liegt klar vor Augen. Die Lüge wurde nicht als Sünde, sondern als Schwäche angesehen; und diese betrachtete man als unehrenhaft.
Die Ehre
Das Ehrgefühl beinhaltete ein Bewusstsein des Wertes und der Würde der Persönlichkeit. Man verwendete dafür das Wort na" (Name oder Ruf). Ein guter Name, d.h. d Ruf, den man „in seinem unsterblichen Bereich hat, wenn man vom tierischen Element absieht", ließ jeden Verstoß gegen „na" natürlicherweise als Schande erscheinen und diese Schande war es, die einen Samuurai in seiner Erziehung am meisten schaden konnte; „der Ehrverlust ähnelt einer Wunde an einem Baum, welche die Zeit, anstatt sie zu heilen, Tag für Tag vergrößert". Für Mencius ist die Schande wie Land, aus dem alle Tugenden, gute Manieren und Sitten verbannt wurden.
Sich aufgrund einer leichten Provokation beleidigt zu fühlen, wurde verächtlich als Mangel an Selbstbeherrschung abgetan. Ei populäres Sprichwort besagte: „Wahre Beherrschung liegt darin, das Unerträgliche zu ertragen".
Der große Iyeyasu erinnert uns an die Stoiker: „Das menschliche Leben bietet das Bild den Schultern, ohne Eile und ohne Tadel gegenüber seinem Nächsten einem langen ‚Weg folgt." - Sei ständig auf der Hut vor die eigenen Fehlern."
Mencius betont: „Aufgrund einer geringfügigen Beleidigung in Zorn zu geraten ist eines reifen Mensche unwürdig die Empörung über eine schwerwiegende Sache jedoch ist gerechtfertigt."
Und Ogawa: „Wenn die anderen alle möglichen Schlechtigkeiten von dir behaupten, so vergelte nicht Schlechtes nit Schlechtem, sondern besinne dich lieber darauf, dass du in der Erfüllung deiner Pflichten nicht treu genug gewesen bist."
Von Saigo behauptete man, dass selbst die Schande zu schamhaft gewesen wäre, um sich auf seinem Antlitz niederzulassen; für ihn stellte „der Weg den Weg des Himmels und der Erde dar, die Aufgabe des Menschen ist es, ihn zu folgen; demnach solltest du die Verehrung des Himmels zum Gegenstand deines Lebens machen. Der Himmel schenkt mir, wie auch den anderen die gleiche Liebe; daher schenke auch du den anderen die gleiche Liebe, die du dir selbst Schenkst. Mache den Menschen nicht zu deinem Partner, sondern dich zum Partner des Himmels. Und indem du den Himmel zu deinem Verbündeten machst, arbeite so gut du kannst. Verurteile niemals die anderen, sondern sei darauf bedacht, ihnen das zu geben, was ihnen zusteht."
Der Bus-hi bewies durch sein Leben, dass die Ehre von keiner Bedingung abhängig ist, aber in all jenem wohnt, die Ihre Pflicht gut erfüllen. Der weise Mencius wiederholt seinen Aufruf: „In der Natur jedes Menschen existiert die Liebe zur Ehre, wenigen aber kommt es in den Sinn, dass das Empfinden dafür, was wirklich ehrenhaft ist, in ihnen selbst und nicht von ihnen wohnt."
Dieses Gefühl der Ehre beherrschte alle Handlungen und die gesamte Ausbildung des jungen Kriegers. Man kämpfte nicht um sein Glück, sondern um den Ruhm.
Sie verließen ihr Heim mit dem Vorsatz, nicht eher zurückzukehren, als sie nicht einen Namen erworben hatten. Dafür unterzogen sie sich allen möglichen Entbehrungen und ertrugen die härtesten Proben physischen und geistigen Leidens. Sie wussten, dass die Ehre, die man in der Jugend erworben hatte, mit zunehmendem Alter wuchs. Man schenkte dem Leben wenig Bedeutung, wenn es um den Preis der Ehre und des guten Rufes ging.
DIE PFLICHT DER TREUE
Die Treue gewinnt im ritterlichen Ideal eine Überragende Bedeutung. In China war der Gehorsam gegenüber den Eltern die erste unter den menschlichen Pflichten; in Japan war dies die Treue.
Für den Bushido existiert kein Unterschied zwischen den Interessen der Familie und denen ihrer Mitglieder; wenn Pflicht und persönliche Zuneigung miteinander in Konflikt gerieten, so gab es keine Möglichkeit des Zweifelns; den Vorrang hatte di Treue.
Man verstand den Staat als ein dem Menschen übergeordnetes Wesen, als ein riesiges Individuum, gebildet aus den Einzelindividuen seiner Mitglieder; darum müssen diese für den Staat oder den rechtmäßigen Träger der Staatsautorität leben und sterben. Jeder einzelne bildet ein Teilstück des Staates.
Treue bringt nicht den Verlust der Ehre mit sich. Einem Krieger, der sich v on Herrscherallüren mitreißen ließ, wurde ein niederträchtiges und von wenigen Skrupeln behaftetes Wesen zugeschrieben („nei-shin"), oder er wurde als „cho-shin", als Günstling betrachtet, welcher mit Hilfe von kriecherischen Gefälligkeiten das Wohlwollen seines Herrn missbrauchte. Diese beiden Arten von Staatsbürgern entsprechen jenen, welche Jago beschreibt: der eine, der, als Diener und Mensch von niedrigem Rang erzogen, großen Gefallen an seinem willfähigen Sklavendasein findet und seine Zeit gleich dem Esel seines Herrn verbringt; der andere hingegen gibt sich den Anschein, pflichtbewusst zu sein, denkt im Grunde aber nur an sich selbst.
Das Leben wurde als das Mittel betrachtet, mit welchem man dem Herrn diente, und indem man die Ehre zum Zentrum des Lebens erhob, unterstellte man die gesamte Erziehung und Ausbildung des Samurai diesem Führungsprinzipien.
DIE ERZIEHUNG UND SCHULUNG EINES SAMURAI
An aller erster Stelle stand die Bildung des Charakters. Dafür stützte sich der Bushido auf drei grundlegende Elemente: CHI; JIN; YU: Weisheit, Güte und Tapferkeit. Der Samurai war von Grund auf ein Mann der Tat. Es ist nicht der Glaube, der dem Menschen rettet, sondern es ist der Mensch, der den Glauben rechtfertigt. Die Theologie und die Religion erließ man den Priestern; nicht so jedoch die Philosophie und die Literatur, welche den größten Teil seiner intellektuellen Erziehung ausmachten. Hinter allem stand die Absicht, es einem hohen praktischen Zweck zuzuführen; sie waren Methoden, um die Probleme des Lebens besser lösen zu können.
Das Ausbildungsprogramm setzte sich zusammen aus: Fechten, Bogenschießen, Judo, Reiten, Speerwerfen, Taktischen Übungen, der Schönschreibekunst, der Ethik, Literatur und Geschichte.
Der Samurai verachtet das Geld an sich sowie die Kunst, es zu erwerbe und zu horten. Gewinnsucht ist etwas Schändliches. Das Zeitalter der Dekadenz wird gekennzeichnet sein von der „Liebe der Staatsbürger zum Geld und von der Angst der Soldaten vor dem Tod." Der Samurai versteht die Wirtschaft nicht als Mittel zur Kapitalanlage, sondern zur Vorbereitung auf Entsagungen. Der Wohlstand ist der größte Feind der Männlichkeit, und von den Kriegern wurde die strengste Schlichtheit in der Lebensführung gefordert. Die gesamte Erziehung versteht man als eine Wissenschaft vom Leben, weshalb sie auch praxisorientiert war. „Lernen ohne zu denken", sagte Konfuzius, „ist verlorene Arbeit" „denken ohne zu lernen aber ist gefährlich.
Ein japanischer Grundsatz besagt: „Dein Vater und deine Mutter sind wie der Himmel und die Erde; dein Meister und dein Herr sind wie die Sonne und der Mond."
Die Dienste eines Meisters haben keinen Preis. Man kann sie nicht ist Gold aufwiegen, denn sie sind unschätzbar. Hier erteilte das Ehrgefühl des Bushido, wenn es instinktiv empfunden und nicht berechnet war, eine wahrhafte Lektion, denn es können nur jene Dienste der höchste Dienst hingegen, der einem in der Erziehung zuteil wird, nämlich die Entwicklung der Seele, ist weder definierbar noch berührbar oder messbar. Die Sitte erlaubte es den Schülern, ihren Meistern bei verschiedenen Gelegenheiten Geld oder Waren zu Überreichen; diese Dinge waren jedoch als Opfergaben und nicht als Bezahlung zu verstehen.
DIE SELBSTKONTROLLE
Einerseits ist es die Disziplin der Seelenstärke; auf der anderen Seite ist es die Aussage der Höflichkeit, die uns dazu bewegt, den anderen das Schauspiel unseres Kummers zu ersparen. Diese beiden Elemente treten in Verbindung, um im Individuum ein hohes Maß an Stärke, stoischer Disziplin und Beherrschung der eigenen Empfindsamkeit hervorzubringen als auch, um mit der Zeit einen stoischen Charakter im Volk zu fördern.
Für den Samurai bedeutete es Mangel an Ähnlichkeit, seine Gefühle im Gesicht auszudrücken: „Lass dir weder Zorn noch Freude anmerken; dies war der Satz, den man gebrachte, um einen großen Charakter zu beschreiben.
„Lerne zu leiden, ohne dich zu beklagen"
Die Disziplin in der Selbstkontrolle kann in Übertreibung ausarten. Bei jeder Tugend muss man zu unterscheiden wissen, in welchem Ausmaß ihre Befolgung positiv wirkt und versuchen, das geistige Gleichgewicht zu finden. Die Selbstkontrolle findet ihren höchsten Ausdruck im Selbstopfer und in der Wiederherstellung der durch Unrecht verlorenen Ehre - und dies in letzter Konsequenz durch den Freitod.
DER FREITOD UND DIE WIEDERHERSTELLUNG DER EHRE
Das erstere ist bekannt unter dem Namen „harakiri", das zweite kennt man als Cataki-uchi".
Die Samurai nannten diejenigen, die sich ausschließlich der Lektüre der Lehren des Meisters widmeten und diese nicht praktizierten und lebten: „Dummköpfe, die nach alten Büchern riechen" und verglichen sie mit übelriechendem Gemüse, welches man wiederholt kochen muss, bevor es genießbar wird. Jemand, der sehr wenig gelesen hat, wirkt ein wenig schulmeisterlich und riecht ein wenig nach Pedant - ebenso wie jemand, der zuviel gelesen hat, stinkt. Beide sind gleichermaßen unangenehm.
Das heißt, dass die Wissenschaft ihrem Namen solange nicht gerecht wird, ehe sie nicht vom Geist verarbeitet und verstanden worden ist und in dessen Erscheinungsbild und Charakter zum Ausdruck kommt.
Man hielt das Wissen als Selbstzweck für wertlos. Man muss nach diesem als einem Mittel zur Erlangung der Weisheit suchen; anderenfalls werden wir zu maschinellen Datenspeichern, die nicht von dem, was sie wissen, ins Leben umzusetzen vermögen.
Das Wissen wurde nur dann als wahrer Besitz betrachtet, wenn es im Leben praktisch verwertet wurde. So wie Man Yang Ming es wiederholt zum Ausdruck brachte:
„WISSEN UND HANDELN IST EIN UND DASSELBE"
RECHTSCHAFFENHEIT ODER GERECHTIGKEIT
Es ist das höchste Gebot für den Samurai, der Heuchelei und Heimtücke seine Aufrichtigkeit, Rechtschaffenheit und Gerechtigkeit entgegenzusetzen. "Rechtschaffenheit ist die Fähigkeit, ohne Zaudern Entscheidungen zu treffen, die auf einer bestimmten Art der Selbstführung beruhen und sich im Einklang mit der Vernunft befinden: zu sterben, wenn man sterben muss, zu verletzen, wenn man verletzen muss."
- „Die Rechtschaffenheit ist der Knochen, der Festigkeit verleiht und euch aufrecht erhält. Ohne Rechtschaffenheit können weder Talent noch Wissen aus einem menschlichen Skelett einen Samurai machen."
Mencius sagt: „Die Güte ist die Seele des Menschen und die Rechtschaffenheit ihr Weg. Wie schmerzlich ist es doch, diesen Weg zu vernachlässigen und ihn nicht zu folgen, die Seele zu verlieren und sie nicht wiederfinden zu können!"
Und er fährt fort: Die Rechtschaffenheit ist ein gerader und schmaler Pfad, dem der Mensch folgen muss, um das verlorene Paradies wiederzuerlangen."
Das Beiwort „GHISI" (= rechtschaffener Mensch) wurde als höchste Auszeichnung betrachtet und stand über allen anderen Titeln.
Die Rechtschaffenheit führt zu „GI-RI", der rechten Vernunft und zu dem Erkennen des Pflichtbewusstseins, wobei es sich nicht um bloße „Pflichterfüllung" handelt, sondern um viel mehr: Es bedeutet, in Einklang mit dem, was wir in Wirklichkeit sind. In Indien hieße dies, im Einklang mit dem DHARMA zu handeln; in der Terminologie von Kant entsprächen dies dem „kategorischen Imperativ" jedes einzelnen.
Daher bedeutet „GIRI" „Die Rechte Vernunft". Der „Gi-ri" besagt, dass, wenn der Impuls zu tugendhaften Handlungen nicht von der Liebe kommt, die Notwendigkeit eintritt, die menschliche Intelligenz auf diese Handlungen zu konzentrieren, sodass der Verstand des Betroffenen bereit ist, diesen von der Notwendigkeit des rechtschaffenen Handelns u überzeugen.
Wenn die Pflicht beginnt, unangenehm und schmerzvoll zu werden, tritt der rechte verstand ins Spiel, um uns am Verzagen zu hindern. Im Laufe der Zeit verlor dieser Begriff nach und nach an Ausdruckskraft und verwandelte sich schließlich in ein Synonym von „Kompromiss" und verlor auf diese Weise vollkommen seine ursprüngliche Bedeutung.
DER MUR; DER GEIST DER KÜHNHEIT UND DER DES WIDERSTANDES
Diese drei Eigenschaften verhindern, dass der „Gi-ri" seiner negativen Anwendungsform schließlich vom Leben des Samurai Beisitz ergreift.
Der Mut wurde nur dann als Tugend betrachtet, wenn er sich in den Dienst der Gerechtigkeit stellte. Konfuzius meinte: „ZU WISSEN, WAS GERECHT IST, OHNE ES ZU TUN, IST EIN ZEICHE VON MUTLOSIGKEIT"
Innerhalb der Ideologie des Rittertums wurde die absurde Waghalsigkeit, da sie jeglichen Sinnes entbehrte, als Idiotie betrachtet (Shakespeare nannte sie „Bastardenbrovour"
Wenn die Rettung der Ehre den Tod forderte, so wählte ihn der Bushido zur Lösung zahlreicher Probleme. Daraus war ein natürlicher Tod für den Samurai etwas Gemeines, etwas, das er nicht einmal aus Glaubensgründen anstrebte.
Der „seppuku" oder „harakiri" war kein bloßer Selbstmord Er war eine Erfindung des Mittelalters, eine Methode, dank der die Ritter ihre Verbreche sühnen, sich für ihre Irrtümer entschuldigen, der Ehrlosigkeit entrinnen konnten etc. Wenn er als legale Strafe befohlen wurde, so führte man ihn in form einer großen Zeremonie aus.
Es war wie eine Veredelung des Aktes der Selbstentleibung und ohne eine so ungeheuere Gelassenheit und Selbstbeherrschung wäre niemand imstande gewesen, ihn zu verwirklichen; aus diesen Gründen war er den Kriegern besonders angemessen.
Die Zeremonie des „Seppuku" wurde vor einen Alter, mit dem Gesicht zu den Zeugen zugewandt, abgehalten. Sie hatte folgenden Ablauf: Zuerst erfolgte unterhalb des Gürtels ein Schnitt mit einem Messer von links nach rechts; hierauf wurde dieses, gleichsam auf der Suche nach dem Brustbein, nach oben geführt. Sodann erfolgte eine Neigung des Rumpfes nach vorne, die verhindern sollte, dass das Opfer auf sein Gesicht fiel, was unehrenhaft war; zu diesem Zweck hatte es zuvor den Kimono an seinen Beinen befestigt und sich mit entblößtem Rumpf auf seine Fersen gesetzt. Sobald es den Hals darbot, wurde es vom „Kaishaku" - dem Ritter, der in tiefer Beziehung zum Opfer stand - mit einem Schwerthieb geköpft.
Für einen echten Samurai bedeutete es reine Feigheit, den Tod zu beschleunigen oder ihn herbeizusehnen.
Die Lehren des Bushido hatten den Zweck, alle Widrigkeiten mit Geduld und klarem Bewusstsein zu ertragen. Wahre Ehrenhaftigkeit besteht darin, die Gesetze des Himmels zu befolgen Es ist daher ein Zeichen von Feigheit, den Tod zu suchen, um dem zu entgehen, was der Himmel über uns verfügt.
DER SÄBEL, DIE SEELE DES SAMURAI
Der Bushido machte den Säbel zum Sinnbild seiner Macht und seiner Heldentaten. Schon seit frühester Jugend lernte der Samurai seine Handhabung. Es war ein echtes Ereignis, als man ihn nach einer Dauer von fünf Jahren ist den gesamten Accessoires der Kriegertracht ausstattete. Diese Zeremonie fand auf dem Brett des Go-Spieles statt, welches unserem Damen-Spiel ähnlich ist und gleich diesem ein Schlachtfeld Symbolisiert. Nachdem man ihm anstellte des Spielzeugsäbels, welcher zu seinem Vergnügen gedient hatte, einen echten Säbel umgegürtet hatte, führte man ihn in die Regeln der Waffenkunst ein. Nach dieser ersten Zeremonie durfte er sich nicht mehr ohne Säbel außerhalb seine Hauses sehen lassen; IN SEINER Alltagstracht jedoch trat anstelle des Säbels ein Dolch aus vergoldetem Holz. Mit fünfzehn Jahren erreichte der Samurai die Stellung einem Mannes. Ab dem fünfzehnten Lebensjahr galt der Samurai als Mann. Er erlangte damit seine Handlungsfreiheit und erhielt scharfe Waffen. Das Bewusstsein, in Besitz dieses heiligen Instrumentes, „des Schwertes" zu sein, flößte ihm ein Gefühl der Selbstachtung und der Verantwortung ein. „Das, was er am Gürtel trägt, ist ein Symbol dessen, was er im Herzen trägt: Treue und Ehre."
Die beiden Schwerter, das lange und das kurze, jeweils „daito" und „shoto", oder „katana" und „wakizachi" genannt, waren ständig an seiner Seite. In seinem Haus nahmen sie den auffälligsten Platz ein, und während der Nacht lagen sie immer griffbereit am Kopfende seines Bettes. Sie werden verehrt und beinahe als Kultgegenstände betrachtet. Jede Beschimpfung, die man gegen das Schwert ausstößt, kommt einer persönlichen Beleidigung seines Trägers gleich. Es ist unheilvoll für jenen, der aus Unachtsamkeit über eine Waffe steigt, die zu Boden gefallen ist.
Die Haifischhaut und die feine Seide Seines Griffes, das Gold und Silber seines Schutzblattes sowie die Lacke und verschiedenen Farben seiner Scheide nahmen dieser schrecklichsten aller Waffen einen Teil ihres furchterregenden Aspektes
Der, der die Schwerter schmiedete, war kein bloßer Handwerker, sondern ein inspirierter Künstler, und seine Werkstatt war ein Heiligtum. Jeden Tag begann er seine Arbeit mit einem Gebet und einer Reinigung. „Auf alchemistische Weise schuf er eine Legierung aus dem Stahl, den er schmiedete und härtete, seiner Seele und seinen Geist"
Man verurteilte jenen, der Missbrauch mit seiner Waffe trieb und nannte ihn einen „feigen Angeber". - „Der wahrste Sieg ist jener, den man ohne Blutvergießen erringt", da das höchste Ideal des Rittertums der Friede ist.
DIE ERZIEHUNG UND DIE GESELLSCHAFTLICHE STELLUNG DER FRAU
Das wirkliche Ideal des Bushido war in wahrstem Sinne des Wortes häuslich. Man schätzte seine Frauen, welche sich „von den Schwächen ihres Geschlechtes befreiten und eine heroische Tapferkeit entfalteten, die der der mutigsten Männer würdig war". Man unterwies die Mädchen in der Beherrschung ihrem Gefühle, in der Stärkung ihrer Nerven, im Umgang mit Waffen (besonders mit einem Schwert mit langem Griff, „nagi-nata" genannt), um sich in unvorhersehbaren Situationen verteidigen zu können. Diese Erziehung sollte einen doppelten Zweck erfüllen, einen individuellen und einen häuslichen. Wenn die Frau keinen Ehemann hatte, war sie auf Selbstschutz angewiesen. Wenn sie Kinder hatte, so übertrug sie diesen ihre kriegerische Erziehung. Wenn die Mädchen in die Pubertät kamen, wurden sie mit „kai-ken"- Dolchen oder mit Taschendolchen ausgestattet, mit denen sie sich verteidigen und, wenn es die Situation erforderte, das Leben nehmen konnten, vor allem denn, wenn ihre Keuschheit in Gefahr war. Vor dem Freitod banden sie sich ihre Beine mit einem Gürtel zusammen, damit ihr Körper selbst nach den größten Schmerzen des Todeskampfes in der sittsamsten Haltung mit schicklich geschlossenen Beinen aufgefunden wurde. Da es sich nur um ein kurzes Messer handelte, öffnete man sich damit nicht den Unterleib, sondern stieß es sich in den Hals.
Der Bushido war nicht bestrebt, einen maskulinen Frauentyp zu fördern; weit entfernt davon: Man verlangte von ihr, sich in den „Zierkünsten" zu üben. Auch Musik, Tanz und Literatur wurden nicht vernachlässigt. Der Tanz wurde gelehrt, um den Bewegung des Körpers Eleganz und Geschmeidigkeit zu verleihen. Die Musik wurde nicht um der Musik willen betrieben, sondern hatte die Reinigung des Herzens zum Ziel, denn man sagte sogar, dass die Harmonie der Klänge nur dann erreicht werden könnte, wenn Harmonie im Herzen des Ausführenden herrschte.
Die Frauen wurden für das Familienleben erzogen. Das Zentrum von allem bildete das Heim. Adzuma, die Idealgattin für die jungen Samurai, bemerkt, dass sie von einem Mann geliebt wird, der sich gegen ihren Gemahl verschworen hat. Unter dem Vorwand, sich dem kriminellen Komplott anzuschließen, gelingt es ihr, in der Dunkelheit den Platz ihres Mannes einzunehmen, und das Schwert des verliebten Mannes fährt auf ihren Kopf nieder.
Das Militär wurde in Japan allein aus den Samurai gebildet. Es bestand aus zwei Millionen Männern. Über diesen standen die adeligen Soldaten (Daimio) und der Hofadel (Kuge). Die unteren Schichten bildete die Masse des Volkes: Handwerker, Händler und Bauern, die sich Friedensarbeiten widmeten
Als besonderes Merkmal müssen wir hervorheben, dass der Unterschied zwischen den Geschlechtern weniger stark ausgeprägt war und die Tendenz hatte, sich aufzuheben, je höher, aber auch je niedriger der Lebensstandart war. Die großen Adeligen, die sich dem Müßiggang hingaben, verweichlichten und wurden immer weibischer.
Der Bushido versuchte, den Wert der Frau auf den Schlachtfeldern und im Heim zu messen. Die Erziehung und die Verteidigung der Jugend wurde den Frauen übertragen.
In Japan versteht man unter Ehe die Verbindung von Mann und Frau zu einem einzigen Wesen. Der Ehepartner wird als Teil von einem selbst betrachtet. Die zwischen des Guten und dem Bösen entlanglaufende Linie orientiert sich an der Pflicht, die den Menschen einerseits mit seiner eigenen göttlichen Seele, und andererseits - vor allem durch die Treue - mit den Seelen seiner Nächsten in Verbindung brachte.
DIE EINFLUSS DES BUSHIDO
Keine gesellschaftliche Klasse und keine Kaste kann der Macht der Verbreitung eines moralischen Einflusses widerstehen.
Das Japan der Vergangenheit war der Verdienst der Samurai. Sie waren nicht nur die Blüte des Volkes, sondern auch dessen Wurzel. Obwohl sie, gesellschaftlich gesehen, von der Masse des Volkes getrennt leben, so stellten sie doch für dieses ein moralisches Vorbild dar und führten es mit ihrem Beispiel.
Alle Erzählungen, Darstellungen und Schriften handelten von den Samurai. Der Samurai war zu dem „Ideal" geworden. Ein Volkslied drückt dies folgender masse aus: „So, wie die Kirschblüte Königin der Blüten ist, so ist der Herr unter den Männern der Samurai"
Das intellektuelle und moralische Japan war direkt wie indirekt das Werk des Rittertums. So wie M. Mallock bemerkt: „ Der historische Fortschritt ist nicht das Ergebnis eines Klassenkampfes innerhalb der gesamten Gesellschaft, sondern allein das eines Konkurrenzkampfes innerhalb einer kleinen Gruppe der Gesellschaft, die zum Ziel hat, die Masse ihrer besten Bestimmung zuzuführen; man kann die gesellschaftliche Entwicklung, wenn man vom biologischen Aspekt absieht, als die Verwirklichung der Absichten bedeutender Persönlichkeiten bezeichnen."
Heute äußert sich dieser Einfluss im Auftreten der „otokodate", der Chefs der demokratischen Parteien. Sie sind natürliche Führer im ursprünglichen Sinne, gefolgt von ergebenen Anhängern.
Rangome behauptet, dass es heutzutage drei verschiedene Japans gibt: das alte Japan, das neue und dass das Überganges. Gegen diese Behauptung muss man mehrere Einsprüche erhaben, denn in geistiger Hinsicht ist der Bushido das Produkt des alten Japan, jene Errungenschaft, durch die es zu der bereits erwähnten Übergangsphase kam und welche das neue Japan förderte.
Das, was Japan wirklich charakterisiert, ist der Geist der Samurai und dessen Einfluss auf das Volk. Er gehört zu den striktesten und mit der größten Gewissenhaftigkeit ausgeführten Ehrenkodices, die jemals vom Menschen erdacht worden sind. Ihm ist es zu verdanken dass Japan heute die Industriemacht par excellence ist, welche im Leistungsindex an erster Stelle aufscheint und den geringsten Prozentsatz an Zeitverlusten, verursacht durch Streiks und Konflikte aufzuweisen hat. In Ihr hat jeder Arbeiter das Gefühl, „seinen" Platz im Betrieb zu haben und empfindet ebenso, dass der Betrieb ein Teil von ihm, „der Bushido" ist.
„Immer wieder weist man uns darauf hin, wie stark Japan von Europa beeinflusst worden ist, und vergisst dabei, dass der Wandel, der auf diesen Inseln stattgefunden hat, ausschließlich dem persönlichen Willen der Japaner zuzuschreiben ist; dass nicht die Europäer es waren, die Japan belehrt haben, sondern dass Japan es war, welches mit voller Absicht jene Methoden von Europa lernen wollte, die sich als gültig erwiesen hatten. .....Wo finden wir den europäischen Apostel, wo den echten Philosophen oder Staatsmann in Europa? Wo ist der Protagonist, der mit seinen eigenen Händen Japan wiedererbaut hatte?"
Die Quelle des Handelns, aus der diese Entwicklung hervorgegangen ist, hat ihren Ursprung in Japan selbst.
Die Höflichkeit, die physische Widerstandskraft, die Tapferkeit, das Verantwortungsgefühl: sie alle bilden das Erbe des Ehrenkodex der Ritter.
EINIGE DATEN
Wenn wir über jenes Japan sprechen, in dem das Rittertum an der Macht war, so stellen wir uns, mit dem Bild Europas vor Augen, darunter ein dunkles Land vor, unkultiviert wie der mittelalterliche Westen.
Nichts jedoch liegt der Wirklichkeit ferner. Es gibt einen grundlegenden Unterschied. Im Europa des Mittelalters kommt es zum Zerfall der großen Reiche in eine Vielzahl von untereinander vollkommen unabhängigen Feudalstaaten, In welche die Feudalherren mangels der notwendigen moralischen Stärke ihre Macht missbrauchen und sie, ihren Launen folgend, in tyrannischer und despotischer Weise ausüben.
In Japan wirkt sich die Macht auf ganz gegensätzliche Weise aus: Obwohl verschiedene Herren gegeneinander Krieg führen, herrscht doch ein einheitlicher Geist, welcher die Autorität und Führung des Kaisers anerkennt Der Ahnenkult findet seinen Ausdruck in der Achtung vor den Lebendigen, damit die für den Samurai so bedeutende Linie der Ehre, welche -ausgehend von der mythischen Gründung Japans - bis zu ihm selbst und seinen Nachkommen heraufreicht, nicht befleckt werde. Daher kommt es, dass die Autorität und Möglichkeit der Führung der Untertanen nicht in eine Tyrannei mündet, sondern im Gegenteil zu einer ÜBERNAHNE VON VERANTWORTUNGEN führt.
Japan greift die Lehren des Konfuzius auf, welcher gleich Platon darauf hinwies, dass nur derjenige die anderen zu führen vermag, der zuerst sich selbst zu führen gelernt hat. Dieser heroische und verantwortungsvolle Sinn des Rittertums, nach welchem die Macht nicht missbraucht, sondern zu guten Zwecken verwendet wird, findet sein europäisches Gegenstück in den Ritterorden die versuchen, den Heldentaten des Königs Arturs nachzueifern.
DER BUSHIDO IST IMMER LEBENDIG
Als der erste Gedichtband in Japan veröffentlicht wurde, schrieb man das Jahr 905; das ist ein Jahrhundert vor dem Erscheinen des Roland-Liedes.
Im Jahre 1853. macht Admiral Perry Japan dem Westen bekannt; um 1905. schlägt jenes bis dahin feudal regierte Japan auf Überlegene Weise die zweite Weltmacht, Russland.
Auch war es Japan, welches aufgrund einer Kaiserlichen Verfügung als erstes Land ein obligatorisches Erziehungssystem hatte.
Im Jahre 1908. wird unter den Meiji die Schulpflicht bis zum 14. Lebensjahr gesetzlich festgelegt. In England ist dies bis 1961. nicht geschehen.
Laut den Angaben der UNESCO erreichen 85 % der japanischen Bevölkerung die mittlere Reife.
Der Familienplanung des Westens setzt Japan Solidarität und gesellschaftliches Verantwortungsgefühl entgegen.
Japan hat die englische Motorradindustrie ausgeschaltet, hält die schweizerische Uhrenproduktion in Schach, übertrifft die Autoverkaufsquote der USA und hat die Deutschen ihrer Vormachtstellung in der Produktion photographischer Apparate und Objektive beraubt.
Das Wohlergehen des Einzelnen ist nicht von Gemeinwohl zu trennen. Die japanischen Firmen stellen zusammen eine große Familie dar, die direkt mit der Erfüllung der Staatsbedürfnisse befasst ist.
Das heutige Japan verdankt seine Stellung in der aktuellen Zeitgeschichte einem heldenhaften Sinn für den Kampf und die Ordnung, welcher durch den Bushido lebte und alles vorantrieb.
So wie einst Kaiser Meiji sagte: „versuchen wir, von der ganzen Welt so viel wie möglich zu lernen und stärken wir mit diesem Wissen erneut die Fundamente der imperialen Macht."
Erweiterte Zusammenfassung von Inazo Nitobe´s
„Der Bushido"
von Javier Saura
übersetzt aus dem Spanischen entnommen der Zeitschrift
NEUE AKROPOLIS Österreich,
Nummer 19, Dez. /Feb. ´84/85.
GEBET EINES SAMURAI
Ich habe keine Eltern:
Ich mache Himmel und Erde zu meinen Eltern.
Ich habe kein Heim:
das Tiefste meines Ichs mache ich zu meinem Heim.
Ich habe keine göttliche Macht:
die Ehre ist meine Macht.
Ich habe kein Mittel:
die Unterwürfigkeit ist mein Mittel.
Ich habe keinen Körper:
ich mache den Mut zu meinem Körper.
Ich habe keine Augen:
das Strahlen des Blitzes, das sind meine Augen.
Ich habe keine Ohren:
die Empfindsamkeit dient mir als Ohr.
Ich habe keine Glieder:
die augenblickliche Bewegung, das sind meine Glieder.
Ich habe kein Gesetz:
ich mache den Selbstschutz zu meinem Gesetz.
Ich habe keine Strategie:
frei vom Töten oder das Leben wieder zu geben, das ist meine Strategie.
Ich habe keine Vorhabe:
die Gelegenheit ist mein Vorhaben.
Ich habe keine Wunder:
ich mache das Dharma zu meinem Wunder.
Ich habe keine Prinzipien:
die Anpassung an alle Umstände, das sind meine Prinzipien.
Ich habe keine Taktik:
ich mache die Leere und die Fülle zu meiner Taktik.
Ich habe kein Talent:
ich mache den flinken Geist zu meinem Talent.
Ich habe keinen Feind:
ich mache die Unvorsichtigkeit zu meinem Feind.
Ich habe keine Rüstung:
ich mache das Wohlwollen und die Rechtschaffenheit zu meiner Rüstung.
Ich habe keine Burg:
der unveränderliche Geist ist meine Burg.
Ich habe kein Schwert:
ich mache den Zustand über und unter dem Denken zu meinem Schwert.
Einer sagt: „Wenn man das Herz erkennt, dann ist man also ein Weiser?"
Der Meister antwortet: „Mitnichten! Wenn man im Körper nicht handeln lässt, ist man kein Weiser..."
Ishida Baigan (1685-1744)
Das letzte Ziel der Zucht des Samurai und jeder Zucht, von welcher Art sie sei, ist eins und eins allein:
Im Angesichtes Todes bereit zu sein .
Isukehara Bokuden (1490-1572)