Selbst-Verwirklichung
„Selbstverwirklichung beginnt dort, wo etwas in das Leben
eines Menschen tritt, das größer ist, als er selbst und seine Bedürfnisse."
Dies ist kein neuer Psychotest! Vielmehr wollen wir einen
Aspekt, eine Sehnsucht des menschlichen Wesens erforschen. Geben wir diesem
Aspekt, von dem wir hier sprechen werden, einen Namen und gehen wir ein Stück
in der Geschichte zurück: Was bedeutet überhaupt Selbstverwirklichung?
Dieser Begriff scheint 1934 erstmals in der psychologischen
Literatur auf: Kurt Goldstein (1878 - 1965), einer der Mitbegründer der
humanistischen Psychologie, versteht darunter das Hauptmotiv menschlichen
Lebens, nämlich permanent und ununterbrochen alle einem innewohnenden
Möglichkeiten zur Entfaltung zu bringen. Begriffe wie inneres Wachstum, Humor,
Kreativität, der Sinn des Lebens und mystische Erfahrungen tauchten damals in
der Psychologie auf. Der gesunde Mensch in seiner ganzen Komplexität und mit
all seinen schwer einzuordnenden Phänomenen stand plötzlich im Mittelpunkt der
Forschung vieler bedeutender Psychologen.
Lebensbilanz
„Jeder Tag bietet uns eine neue Gelegenheit, einen Schritt
in der Entwicklung vorwärts zu gehen."
J. A. Livraga
Charlotte Bühler (1893 - 1974), ebenfalls eine wichtige
Vertreterin der humanistischen Psychologie, untersuchte Lebensläufe und
Biographien, wobei sie der Frage nach dem Sinn des Lebens auf den Grund gehen
wollte. Sie spricht auch vom „Gelingen" oder „Mißlingen" des Lebens. Bevor Sie
weiterlesen, ziehen Sie bitte ehrlich eine kurze Bilanz Ihres Lebens!
Können Sie von sich sagen, daß Ihr Leben bis jetzt
„gelungen" ist? Nach welchen Kriterien beurteilen Sie dies?
In vielen Gesprächen versuchte Charlotte Bühler
herauszufinden, was Menschen als Erfüllung oder Verfehlung ihres Lebens
verstehen. Sie fand im wesentlichen vier Gesichtspunkte, unter denen Menschen
ihr Leben betrachten:
Ein erfülltes Leben zu führen bringt aber einen beständigen
Kampf, immer wiederkehrende Entscheidungssituationen, ein permanentes Auf und
Ab mit sich. Es stellt sich sogar die Frage, ob menschliches Wachstum überhaupt
ohne Schwierigkeiten, Schmerz, Leid, Kummer und Aufruhr möglich ist. Erfüllung
zu finden bedeutet für Charlotte Bühler: „eine Fülle des Erlebten, sowohl im
Glück wie im Schmerz. Es ist ein durch Jahrzehnte hindurch erworbener innerer
Reichtum ..." Bedenkt jeder, der heute auf der Suche nach Selbstverwirklichung
ist, daß diese nicht zuletzt daraus resultiert, wie mutig man den
Schwierigkeiten des Lebens entgegengetreten ist? Charlotte Bühler spricht in
diesem Zusammenhang auch von der Kraft des „Glaubens", die uns hilft, diesen
Wachstumsprozeß ein Leben lang durchzuhalten. Sie meint damit nicht explizit
den religiösen Glauben, ohne ihn jedoch auszuschließen. Für sie ist alles
menschliche Handeln auf Ziele hin ausgerichtet, die Werte und Sinn darstellen.
Der Mensch sollte seine besten Potentiale verwirklichen, durch die er sein
innerstes Selbst zum Ausdruck bringt und nicht nur sich, sondern auch andere
fördert und sich am kulturellen Schaffen beteiligt: „Selbstverwirklichung in
schaffender Hingabe an andere." Diese Idee wirft unsere nächste Frage auf: Was
ist dieses Selbst, das wir verwirklichen sollen? Eine Antwort aus der
Psychologie finden wir bei dem bekannten Psychologen Maslow und seiner nicht
immer „ganz" verstandenen Bedürfnispyramide.
Selbstverwirklichung contra Selbstverwirklichung
„Ein echter Idealist ist ein Mensch, dessen Größe man nicht
an seinem Körper mißt, sondern am Ausmaß seiner Träume, dessen Bewußtsein nicht
von Bergen begrenzt wird, sondern vom Glauben an sich selbst."
J. A. Livraga
Erinnern wir uns kurz: Die Motivationstheorie Abraham
Maslows (1908 - 1970) unterscheidet fünf Kategorien von Grundbedürfnissen, die
seiner Meinung nach hierarchisch angeordnet sind. Bedürfnisse, die weiter unten
in dieser Hierarchie stehen, müssen zuerst befriedigt werden, damit Bedürfnisse
höheren Ranges sich entwickeln und nach Befriedigung drängen können. Obwohl
diese Theorie weitreichend praktisch umgesetzt wurde, ist sie dennoch
umstritten, vor allem in bezug auf ihre pyramidenförmige, hierarchische
Struktur.
Eigentlich handelt es sich um zwei Gruppen von Bedürfnissen,
die auch wie zwei große Stufen verstanden werden können: Die physiologischen
Bedürfnisse sowie die Bedürfnisse nach Sicherheit, Zugehörigkeit, Liebesbeziehungen
und Achtung sind darauf ausgerichtet, einen bewußt oder unbewußt empfundenen
Mangel auszugleichen, wobei sie nur von anderen Menschen bzw. durch die Umwelt
befriedigt werden können. Das bringt eine beträchtliche Abhängigkeit mit sich:
„Von einem Menschen dieser Abhängigkeitsposition kann man nicht wirklich sagen,
daß er sich selbst regiert oder sein eigenes Schicksal kontrolliert."
Mit anderen Worten: Versucht der Mensch seine körperlichen
Bedürfnisse zu erfüllen, sein Verlangen nach Sicherheit, nach Zugehörigkeit,
nach Liebe und nach Achtung durch seine Umwelt zu befriedigen und sind seine
Handlungen, Gefühle und Gedanken davon abhängig, so ist dies nicht
Selbstverwirklichung, obwohl es gerade so häufig verstanden wird. Ein Vater von
drei Kindern verläßt seine Familie, ein junges Mädchen beendet seine
Schullaufbahn, eine Beziehung bricht entzwei, und überall das Argument: „Ich
konnte mich selbst nicht mehr verwirklichen." Meistens klingen aber die
Begründungen, die in solchen oder ähnlichen Situationen gegeben werden, nach
Beschönigungen für die Tatsache, daß man vor Schwierigkeiten davonläuft und daß
man in erster Linie daran denkt, wie die eigenen Bedürfnisse am besten
befriedigt werden können. Selbstverwirklichung ist heute zu einer großen Ausrede
geworden!
Maslow selbst beklagt dazu, daß der Begriff der
Selbstverwirklichung eher als Selbstbezogenheit denn als Altruismus verstanden
wird, daß die Aspekte der Pflicht und der Hingabe an Lebensziele vermischt
werden, daß Bindungen an andere Menschen sowie an die Gesellschaft
vernachlässigt werden, und daß die Hinwendung zu etwas Erhabenem nicht
miteinbezogen wird.
Aber genau hier sind wir bei der „wahren"
Selbstverwirklichung angelangt, bei der nächsten Stufe. Das einzige
wachstumsorientierte Bedürfnis ist die Suche nach Selbstverwirklichung. Dies
bedeutet nicht einen Mangelzustand auszugleichen, sondern immer weiter zu
streben, sich und seine Umwelt zu vervollkommnen.
Selbstverwirklichung beginnt dort, wo etwas in das Leben
eines Menschen tritt, daß größer ist als er selbst und seine Bedürfnisse.
Etwas, das als „Mission, als Berufung, als Geschick, als Schicksal, als
Auftrag" bezeichnet werden kann. Etwas, wofür er sein Leben oder zumindest
einen Teil seines Lebens gibt, altruistisch, d. h. selbstlos, einfach für die
Sache, die es wert ist.
„So, wie alle Bäume Sonne, Wasser und Nahrung aus der Umwelt
brauchen, so brauchen alle Menschen Sicherheit, Liebe und sozialen Status aus
ihrer Umwelt. Doch in beiden Fällen ist das der Punkt, wo die wirkliche Entwicklung
der Individualität beginnen kann ..."
In dem Moment, wo die „magische" Grenze zur
Selbstverwirklichung beschritten wird, die Stufe erklommen ist, wird der Mensch
freier, selbstgenügsamer. Er ruht mehr in sich selbst. „Die ihn beherrschenden
Determinanten sind nun primär innere, weder soziale noch umweltbedingte. ... Da
er jetzt weniger von anderen Menschen abhängt, ist er weniger ängstlich,
weniger feindselig, weniger auf ihr Lob und ihre Zuneigung angewiesen. Er hat weniger
Bedarf an Auszeichnungen, Prestige und Belohnungen. ... Relative Unabhängigkeit
von der Umwelt bedeutet auch relative Unabhängigkeit von ungünstigen äußeren
Umständen wie Mißgeschick, Schicksalsschläge. Tragödie, Streß ..." und von
Mängeln auf den unteren Bedürfnisebenen, die er jetzt genau wie vorher erleben
kann, ohne jedoch von ihnen abhängig und beeinflußt zu sein.
Aber wann wird diese Grenze überschritten? Maslow spricht
davon, daß dies nach Erfüllung der Grundbedürfnisse der ersten vier Ebenen geschieht.
Das ist umstritten. Es ist auch meiner Ansicht nach relativ. Denn wann und wie
sind die Bedürfnisse dieser Ebenen so weit erfüllt, daß der Sprung über die
Grenze notwendig wird? Dazu ein interessantes Zitat von Maslow: „Jedes
Zeitalter außer dem unseren hatte sein Modell, sein Ideal. Unsere Kultur hat
sie alle aufgegeben: den Heiligen, den Helden, den Gentleman, den Ritter, den
Mystiker. Alles, was uns geblieben ist, ist der gut angepaßte Mensch ohne
Probleme, ein sehr blasser und zweifelhafter Ersatz. Vielleicht werden wir bald
imstande sein, uns des vollentwickelten und sich selbst erfüllenden
menschlichen Wesens als Modell zu bedienen ..."
Vielleicht ist das Überschreiten der Grenze einfach ein
Entwicklungssprung, der dem Menschen möglich ist, der aber von seiner eigenen
Initiative und Hingabe abhängt. Vielleicht beginnt Selbstverwirklichung dort,
wo sich der Mensch vom Durchschnitt, vom Mittelmaß abzuheben beginnt, und
versucht, etwas Ideales, Authentisches, Vollkommenes oder Gottähnliches in sich
zu finden und zu verwirklichen.
Maslows Kriterien der Selbstverwirklichung
„Ein Ideal zu haben bedeutet, ein Ziel zu haben und
gleichzeitig auch einen Weg zu gehen."
J. A. Livraga
Die nun angeführten Kriterien sind Kennzeichen von Menschen,
die sich selbst zu verwirklichen vermochten. Sie sind das Ergebnis
einer Untersuchung von Maslow an 60 Personen, darunter historische
Gestalten wie
Goethe, Albert Einstein oder Albert Schweitzer.
Eine bessere Wahrnehmung der Welt
Sie nehmen die Welt nicht so sehr durch ihre Wünsche,
Erwartungen, Vorurteile, Erfahrungen, etc. verzerrt wahr, sondern „objektiver".
Akzeptieren des eigenen Selbst, der anderen und der Natur
Trotz Schwächen und Unzulänglichkeiten nehmen sie Mensch und
Natur so wie sie sind. Bei selbstverwirklichenden Menschen sind deshalb auch
Eigenschaften wie Heuchelei, Arglist, Intrigantentum, Eindruckschinden etc. in
ungewöhnlichem Grad nicht vorhanden.
Spontaneität, Einfachheit und Natürlichkeit
Wir finden keine Künstlichkeit, sondern vielmehr einfache
und natürliche Selbstentfaltung, Reife und Entwicklung, und auch ein
unkonventionelles Verhalten gegenüber gesellschaftlichen Normen.
Problemeinstellung
Sie haben eher eine problem- als eine ichzentrierte
Einstellung, d.h., sie beziehen Probleme nicht primär auf sich selbst, sondern
versuchen das Problem an sich zu erkennen und zu lösen.
Objektivität und das Bedürfnis nach Privatheit
Sie lassen sich nicht von übermächtigen Situationen oder
anderen Personen beeindrucken, sie ertragen auch Einsamkeit leichter. Dieses
„Über-den-Dingen-Stehen" wird manchmal von ihrer Umwelt als „Kälte, Snobismus,
Mangel an Zuneigung oder Unfreundlichkeit" empfunden, da es nicht der
gesellschaftlichen Norm entspricht.
Autonomie - Unabhängigkeit von Kultur und Umwelt
Sie sind verantwortlicher und selbstdisziplinierter als
„Nicht-Selbstverwirklicher" und treffen Entscheidungen leichter bzw. treffen
sie überhaupt selbst, anstatt sie „treffen zu lassen". Man könnte sagen, daß
sie sich für ihr Schicksal selbst verantwortlich fühlen.
Unverbrauchte Wertschätzung
Es handelt sich um die Fähigkeit, grundlegende Lebensgüter
mit Freude, Staunen und Ehrfurcht wieder hoch zu schätzen.
Mystische Erlebnisse, Grenzerfahrungen
Jeder Mensch nimmt in Grenzerfahrungen zeitweilig viele der
Eigenschaften an, die Maslow bei selbstverwirklichenden Menschen vorgefunden
hat. Grenzerfahrungen können richtungsweisend und bestärkend auf dem Weg zur
Selbstverwirklichung sein.
Gemeinschaftsgefühl
Dieses Gefühl ist die Fähigkeit, Mitgefühl mit der menschlichen
Natur empfinden zu können und bei Bedarf zu helfen.
Interpersonelle Beziehungen
Selbstverwirklichende Menschen haben tiefere und wertvollere
Beziehungen, und sie sind wählerischer bei der Auswahl von Freunden.
Demokratische Charakterstruktur
Sie können mit allen Menschen jeden Charakters freundlich
sein und sind es ungeachtet des Status, der Erziehung, des politischen
Glaubens, der Rasse oder Hautfarbe. Sie sind frei von Vorurteilen, können
andere Menschen respektieren und von jedermann lernen.
Unterscheidung zwischen Mittel und Zweck, Gut und Böse
Sie besitzen die ethische Veranlagung und das Vermögen,
zwischen gut und böse unterscheiden zu können.
Sinn für philosophischen Humor
Es handelt sich mehr um einen Humor des Schmunzelns als
einen feindseligen oder aggressiven Humor, der Überlegenheit ausdrückt.
Kreativität
Maslow versteht Kreativität nicht als eine besondere
künstlerische Begabung oder Genialität, sondern als eine jedem Menschen eigene
Haltung (Einfallsreichtum, Aktivität) an die Dinge heranzugehen bzw. das Leben
zu betrachten (frisch, unschuldig und unkonventionell).
Widerstand gegen gesellschaftliche Anpassung
Sie sind gegen Konformismus, bewegen sich aber grundsätzlich
im Rahmen der Regeln der jeweiligen Kultur.
Die Unvollkommenheiten der selbstverwirklichenden Menschen
„Wenn ihr täglich eine Schwäche in euch selbst bekämpft,
wenn ihr jedes Jahr eine Untugend ablegt, wenn ihr jedes Jahrzehnt eine bessere
Selbstkontrolle erlangt, seid ihr im Begriff, Geschichte zu machen. Ihr helft
dabei nicht nur euch selbst, sondern durch eure Handlungen auch allen anderen
Menschen."
J. A. Livraga
Sie haben ebenfalls menschliche Fehler, können gedankenlos
wie eitel oder zornig sein. Maslow selbst sagt, daß sie durchaus auch skrupellos,
unhöflich oder beleidigend sein können und auch von Ängsten, Schuldgefühlen und
Konflikten geplagt sind.
Dennoch, wenn man alle diese Kriterien betrachtet, müßten
selbstverwirklichende Menschen „Supermenschen" sein. Maslow betont aber, daß es
sich bei der Selbstverwirklichung um eine Sache des Grades und der Häufigkeit
handelt. Es gibt Perioden intensiverer oder weniger intensiver oder gar keiner
Selbstverwirklichung, ebenso wie die Selbstverwirklichung ein lebenslanges
ideales Ziel darstellen kann und jeder Schritt dorthin ebenfalls
selbstverwirklichend ist, nach dem Motto: „Der Weg ist das Ziel."
Deutlich wird jedoch, daß es bei einer einzelnen Tat
schwierig ist, „von außen" zu beurteilen, ob dies die Handlung eines
selbstverwirklichenden Menschen ist. Es ist das Leben, die Fülle unserer Taten,
die Zeugnis ablegen.
Die humanistische Psychologie
„Es gibt genausoviele Wege, wie es Wanderer auf ihnen gibt.
Der Weg, der zur Vollkommenheit führt, verläuft für einen Maulwurf unter der
Erde und für einen Adler entlang der Berggipfel."
J. A. Livraga
Warum kommen in diesem Artikel über Selbstverwirklichung in
erster Linie Vertreter der humanistischen Psychologie zu Wort, wenn wir doch
mit gleichem Recht die Ansichten C. G. Jungs und anderer Gruppen ebenfalls zu
Rate ziehen könnten? Und warum sich nicht überhaupt der Naturphilosophie
widmen, mit ihrer uralten Aufforderung „Mensch, erkenne Dich selbst!" und ihren
Weisheitslehren?
Es scheint mir interessant zu sein, zu jenen Psychologen
zurückzukehren, die den Begriff der Selbstverwirklichung geprägt haben und
damit ihre idealistische Idee von den modernen Überlagerungen zu befreien. Ihr
Idealismus hat bewirkt, daß sich im Rahmen der Psychologie, und damit auch im
Rahmen der für uns heute sehr wichtigen Wissenschaft, neue Wege eröffnet haben.
Noch einmal mit Maslows Worten: „Diese neuen Entwicklungen
können sehr wahrscheinlich eine greifbare, mögliche und wirksame Befriedigung
des »frustrierten Idealismus« vieler verzweifelter, besonders junger Menschen
bieten. Sie können sich zu einer Lebensphilosophie entwickeln, zu einem
Religionssurrogat, zu dem Wertsystem und Lebensprogramm, das man bisher vermißt
hat. Ohne das Transzendente und Transpersonale werden wir krank, gewalttätig,
nihilistisch oder sogar hoffnungslos und apathisch. Wir brauchen etwas
»Größeres«, als wir es selbst sind, um Ehrfurcht davor zu empfinden und uns in
einer neuen Weise zu engagieren ..."
Da wir uns in Neue Akropolis dem vergleichenden Studium von
Religionen, Philosophie, Wissenschaft und Kunst widmen, so sollte dieser
Beitrag zeigen, wie wir durch das Labyrinth des Lebens immer wieder zu den
übergeordneten Werten finden. Es gibt eine Sehnsucht nach „etwas Höherem" im
Leben. Vielleicht drückt sie jeder einzelne etwas anders aus, aber es gibt immer
Menschen, die den Sinn in den Worten zu verstehen vermögen.
Wie selbstverwirklicht sind Sie?
„Seien wir einfach, echt, natürlich, und der Philosoph, der
in jedem von uns schlummert, wird unweigerlich erwachen."
J. A. Livraga
Eine Frage bleibt mir noch zu beantworten. Eine Frage, die
Sie sich wahrscheinlich schon seit einiger Zeit bei der Lektüre dieses Artikels
stellen. Ich formuliere sie einmal so: „Wie schaffe ich den Quantensprung, wie
kann ich mich selbst verwirklichen, nicht als Modetrend, sondern aus tiefer
Sehnsucht nach Vollkommenheit?" Verehrter Leser, dazu sind Ziele notwendig, und
etwas, das größer ist als Sie selbst, in dessen Dienst Sie sich stellen können.
Etwas Erhabenes, so daß der Alltag überschritten werden kann und Sie selbst Ihre
eigenen Grenzen sprengen können.
Ich kann Ihnen nicht sagen, wo und wann Sie es finden
werden, ich kann Ihnen auch nicht sagen, wie es aussehen wird. Aber ich bin mir
sicher, daß derjenige, der sucht und niemals aufgibt, finden wird. Vielleicht
ist gerade dieser Impuls, dieser Drang, diese Leidenschaft jene Kraft, die den
„Quantensprung" verursacht.
In Neue Akropolis finden Sie eine Schule der Philosophie
nach klassischer Art. So etwas gibt es heute nicht mehr (ist mir zumindest
nicht bekannt). Wir beschäftigen uns mit diesen übergeordneten Werten und ihren
Zusammenhängen, etwas, das man auch die philosophia perennis, die „ewige
Philosophie" nennt. Denn der Philosoph ist der Mensch, der die Weisheit liebt
und sich daher ihr nähern möchte. Er stellt sich in ihren Dienst. Er besitzt
sie noch nicht, aber eines Tages wird er sich mit ihr vereinen ...
Literatur:
Die Zitate unter den Kapitelüberschriften sind von Prof.
Jorge A. Livraga, dem Gründer und langjährigen Präsidenten der Internationalen
Organisation Neue Akropolis, entnommen aus seinem Buch „Gedanken" im
Eigenverlag von Neue Akropolis.
Autor: Bettina Gregor
(aus: Abenteuer Philosophie Heft Nr. 70)
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