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Der Götterbote Hermes - die Leichtigkeit und das Lachen

 

Wer die griechische Mythologie gut kennt, dem fällt auf, dass es bei den Göttern offensichtlich wenig zu lachen gibt. Sie handeln ihrer Art gemäß, erfüllen ihre Aufgaben gut und verhalten sich - aus menschlicher Sicht - weitgehend vorbildhaft. Doch haben sie auch Humor? Wo finden wir die Szenen, die uns schmunzeln lassen oder gar zum Lachen bringen? Auf solche Fragen verstummt der Mythos. Hätten wir nicht die von Menschen verfassten Epen, Komödien und Erzählungen, wir müssten ernsthaft annehmen, dass die Götter keinerlei Humor besitzen.

Der Humor, das Lachen, der Witz mit einer Pointe: Alles gehört offensichtlich zum Wesen und zur Eigenart des Menschen. Da lässt sich schnell vermuten, wir Menschen könnten möglicherweise dazu erschaffen sein, jenen Humor zu entwickeln, nach dem sich die Götter herzlich sehnen und der ihnen selbst allzu sehr fehlt.

Der Mensch als Ausdruck von Humor, der den Göttern fehlt

Unter einem solchen Gesichtspunkt haben wir den menschlichen Humor wohl selten betrachtet. Doch diesem Gedanken nachzugehen, lohnt sich. Der Humor ist tatsächlich eine Nahtstelle zwischen Mensch und Gott, wie uns der nähere Einblick in das Wesen des Götterboten Hermes noch zeigen wird.

Als Bote des Zeus erscheint Hermes in Menschengestalt, um Gelegenheiten zu suchen, seine Botschaften an die richtige Stelle weiterzuleiten. Der Botschaft selbst gegenüber bleibt Hermes neutral: Weder verfasst er sie, noch ändert er sie, noch kümmert ihn, wie der Empfänger damit umgeht. Für seine unermüdliche Tätigkeit hat er Flügel an den Schuhen und an seiner Kappe, sie erleichtern ihm die Ausführung seiner Aufträge und helfen, die Übermittlung seiner Botschaften zu beschleunigen.

Hermes ist Gott eines Zwischenreiches

Es ist jenes Reich, in dem sich Göttliches mit Menschlichem vermischt. Hier begegnet die "menschliche Seite des Gottes" der "göttlichen Seite des Menschen". Im Götterboten Hermes wird in einer einzigen Gestalt Göttliches menschlich und Menschliches vergöttlicht. Das ist das Geheimnis des Hermes, er hat Anteil an beiden Reichen, er ist sowohl Gott als auch Mensch - geschaffen im Bilde des Schöpfers. Der griechische Mythos drückt es so aus: Vater ist Zeus und Mutter die Plejade Maja, eine jener sieben Urmütter, die im Siebengestirn, den sogenannten Plejaden, versammelt sind. Im Sohn Hermes trifft sich also das Himmlische mit dem Irdischen in vollendeter Einheit.

Und genau hier finden wir die Wurzeln des Humors. In seinen Hymnen hat uns der Dichter Homer in wunderbarer Weise das Wesen der Götter geschildert. Herausragend ist der Hymnus an Hermes. Er ist mehr als eine Erzählung, er ist eine kleine Komödie für sich. In unnachahmlicher Weise schildert hier Homer dessen Geburt und die sogleich erfolgten ersten Taten des neuen Gottes.

Als Morgenkind geboren, spielt Hermes bereits mittags auf der selbst gefertigten Lyra, um ein wenig später - am Abend - seinem großen Bruder Apollon die Rinderherde zu rauben. Maja gebar, so berichtet Homer, ein "wendiges, kluges, gewinnendes Knäblein, jenen Räuber und Rinderdieb, den Führer im Traumland, jenen nächtlichen Späher und Torwart". Uns mag beeindrucken, welche Taten dieses eben geborene Knäblein am Tag seiner Geburt vollbringt, doch größere Bewunderung verdient die Art und Weise, mit der Hermes seine Aktionen durchführt.

Alles an ihm ist Leichtigkeit und Lockerheit. Er hüpft aus seiner Wiege, legt die Windeln ab und geht schnurstracks hinaus ins Freie, um dort einer Schildkröte zu begegnen.

Doch lassen wir Homer selbst diese erste Begegnung beschreiben:

Lachend sah er sie an und begann sofort seine Rede: "Dies ist das nützlichste Treffen für mich, ich will es nicht schelten. Heil dir, lieblich Gewachsene! Hochwillkommen erscheinst du! Tänze leitest du, Schmäuse begleitest du, sag woher kommst du, herrliche Zier? Im Gebirge hier lebst du, buntes Gehäuse, Schildkröt! Ich aber trag dich nach Hause, dort wirst du mir nützen. Ehre sei dir dafür, dort wirst du als Erste mich fördern. Ist's doch besser daheim - vor der Türe da lauert der Schaden. Lebst du, bist du ja freilich Bannerin leidvollen Zaubers, stirbst du jedoch, dann kannst du herrlichst mir singen!"

Ist das Ganze nicht eine Geschichte zum Lachen? Versuchen wir, hinter die Begebenheit zu schauen, um mehr zu erfahren über das Wesen des Humors und über den Ursprung des Lachens. Falls wir Homers Beschreibung als Essenz der ihm innewohnenden Weisheit verstehen, dann scheint zum einen wahrer Humor nur im Zwischenreich des Hermes - also jenseits von Gut und Böse - zu gedeihen. Des Weiteren müssten wir annehmen, dass jegliches echte Lachen dem Kind in uns entspringt.

Wer im Deuten von Mythen wenig geübt ist, tut sich naturgemäß schwer, in Homers Hymnus mehr zu entdecken als den vordergründigen Ablauf der Geschichte.

Halten wir drei bemerkenswerte Faktoren fest: - Hermes geht "in die Welt hinaus" und begegnet einer Schildkröte - Hermes lacht, ist vollkommen unbefangen und spricht sie sofort an - Hermes sieht in dem Treffen einen Gewinn bzw. einen Nutzen für sich

Die Schildkröte ist Symbol der irdischen Welt

In indianischen Schöpfungsmythen taucht sie aus dem Meer auf und trägt die Welt auf ihrem Rücken, ja manchmal stellt ihr Rücken selbst die Welt dar. Das Symbol ist gut gewählt, hat doch unsere Erde ebenfalls eine "harte Schale" und einen "weichen Kern".

Wir Menschen sind ähnlich konzipiert: Auch wir haben etwas von dieser harten Schale und diesem weichen Kern. Mehr noch, in uns lodert ein Feuer der Begeisterung, das am Widerstand der Welt häufig Abkühlung erfährt. Es ist eben nicht alles leicht und einfach, sagen wir dann, während unsere Enttäuschung für jedermann offensichtlich wird.

So haben wir uns von Hermes abgewandt, sind erwachsen und eigenständig geworden und hadern mit den Widerständen des Lebens. Was um alles in der Welt hat uns bewogen, die Widerstände und Schwierigkeiten dieser Welt zu bekämpfen?

Von Hermes haben wir diese Empfehlung bestimmt nicht, eher vom Kriegsgott Ares, dem wohl niemals ein Lächeln über die Lippen kam. Hermes lehrt uns, alles von einer anderen Warte aus zu betrachten. So als wäre das ganze Leben eine Art Spiel, bei dem wir unsere Position beliebig wählen können.

Gehören wir zur Gilde der Kämpfer, so schickt uns das Leben richtige Feinde, damit wir genügend zu kämpfen haben. Nehmen wir den Platz des Zuschauers ein, dann läuft das Leben an uns vorbei, bis es uns eines Tages keinen Spaß mehr macht.

Was also tun, sprach Zeus?

Nun, Zeus hat Hermes geschickt, damit er uns eine Art "dritten Weg" zeigt: der Mensch als Mitspieler und zugleich als zuschauender Beobachter. Wir denken, das ginge nicht, doch es geht. Ein jeder von uns kann Spieler und Beobachter in einer Person sein. Fasziniert uns das Leben, sind wir gelegentlich mehr Spieler als Beobachter, und tut sich wenig im Leben, sind wir mehr Beobachter als Spieler. Wir haben nur dafür zu sorgen, dass sich Spieler und Beobachter nicht aus den Augen verlieren. Denn verliert der Beobachter den Spieler, wird er handlungsunfähig. Verliert aber der Spieler den Beobachter, wird aus dem Spiel Ernst, bei dem einem das Lachen im wahrsten Sinne des Wortes bald vergeht.

Denn gerade das trennt den Humor vom Ärger: die Art und Weise der Wahrnehmung einer gegebenen Situation. Hier, im Betrachter selbst, fallen die Würfel. In uns entscheidet sich, ob wir einem bestimmten Ereignis "Flügel verleihen" oder ob wir es "beschweren". Der letztere Fall führt anschließend zur Beschwerde, zum Ärger - und zum Widerstand.

Wo Hermes schon längst über das Ereignis lacht, verstricken wir uns im Labyrinth unserer dunklen Gedanken.

Es existieren drei grundsätzlich unterschiedliche Arten der Betrachtung, von denen wir meist nur eine kennen, nämlich unsere gewohnte Art, Dinge und Ereignisse zu betrachten. Manchmal sehen wir etwas sehr negativ, dann weist uns schon mal ein Freund oder Bekannter darauf hin, dass man das Ganze auch "positiv" sehen könnte. Zu jeder Betrachtungsweise - egal ob positiv oder negativ - scheint es eine gegensätzliche zu geben. Ist das Glas halb voll, ist es zugleich auch halb leer. Haben wir noch genügend zu trinken im letzten Glas, können wir uns darüber freuen. Ebenso können wir uns aber darüber ärgern, dass auch das letzte Glas bald leer sein wird.

Wir kennen die Narrenspiele unseres Geistes, die der Gott Hermes perfekt beherrscht. Als Gott der Händler und Diebe zeigt er uns, dass letztendlich zwischen Händler und Dieb kaum ein Unterschied besteht. Das war schon den alten Griechen bekannt: Ein und derselbe Handel wurde hinterher nur allzu oft von dem Händler als "gutes Geschäft" und vom Käufer als "Betrug" deklariert. Dass dem scheinbar Betrogenen die Empfehlung, das Ganze "positiv" zu sehen, nicht weiterhilft, das wissen wir bestimmt aus eigener Erfahrung. Es ist weder Trost noch Hilfe.

Stellen wir an Hermes die Frage, ob wir diesem Narrenspiel zwischen positiver und negativer Betrachtungsweise entkommen können. Die Antwort des Hermes lautet Ja. Als Herr der Wege zeigt er uns - schon von Geburt an - den rechten Weg der Wahrnehmung, der zwischen den Gegensätzen hindurchführt.

Kehren wir also zurück zu Homers Beschreibung der Geburt. Was immer Hermes begegnet, die Welt, die Schildkröte oder ein Mensch, er durchschaut das Ganze, sieht die harte Schale als notwendigen Schutz für das weiche Innere - und bleibt in der Welt seiner Gedanken vollkommen neutral: Er verweilt in der Position des unbeteiligten und unvoreingenommenen Beobachters.

Jede Bewertung der Kategorie gut (oder böse) spaltet nämlich unser Denken und verlagert es auf eine andere Ebene, die Ebene der Gegensätze. Von einer höheren Ebene des Denkens, in der es die Gegensätze noch nicht gibt, weil sie noch miteinander vereint sind, "fallen" wir auf eine niedere Ebene des Denkens, in der die Gegensätze existieren und (scheinbar) voneinander getrennt sind.

 In dieser niederen Mentalebene finden wir nun genügend Argumente, die "dafür" sprechen - und wenn wir ehrlich sind, ebenso viele, die "dagegen" sprechen. Denn hier findet sich zu jedem Argument das entsprechende Gegenargument.

Wer aber Flügel hat wie Hermes und zur höheren Mentalebene "zurückfliegen" kann, gelangt in das bereits erwähnte Zwischenreich jenseits von Gut und Böse. Hier gewinnt er den "Blick des Hermes", dem die Astrologie den Planeten Merkur zuweist, der auch die "kleine Sonne" genannt wird. Diese Art der Wahrnehmung ist tatsächlich jenseits von Gut und Böse, sie ist irdisch und zugleich überirdisch.

Wer die Welt so zu schauen vermag, kann jeder Begegnung unvoreingenommen entgegengehen und sich erfreut und lachend aus ihr verabschieden. Denn jetzt liegt in jeder noch so geringfügigen Begegnung ein Gewinn, weil sie ihm als Botschaft dient, die sein Leben fördern will.

Wer imstande ist, aus den Ereignissen des Lebens jene Botschaften herauszulesen, die sein Leben fördern, wird mit dem Schicksal nicht mehr hadern. Im Gegenteil, sogar im Unglück erkennt er sein Glück, sieht den Weg, der schnell herausführt, und kann jetzt schon lachen - zumindest über sich selbst.

Glück und Unglück, Freude und Leid sind Seelenzustände, die nur allzu oft gebunden sind an eine einseitige Betrachtung einer Situation.

Hermes zeigt uns nicht, wie wir die Widerstände des Lebens anders betrachten sollen, nein, er zeigt uns mit seinen Flügeln, dass wir uns über jede Betrachtungsweise, an die wir uns gebunden haben, erheben können.

Das Leben ist ein Spiel, inszeniert von den Göttern

Wir Menschen, so lehrt uns Hermes, haben die Wahl, das Spiel ernst zu nehmen und zwischen gut und böse Partei zu ergreifen oder als parteifreier Beobachter mitzuspielen. Im ersten Fall verwickeln wir uns in die Strategie des Spieles und befinden uns bald mitten im Kampf des Guten gegen das Böse, bis sich unser Leben auf die Frage des Überlebens reduziert. Im zweiten Fall bleiben wir entspannt, überlassen den Ausgang des Spiels dem Schicksal und erkennen mehr und mehr unsere eigene Rolle in diesem Spiel.

Hermes durchschaut für uns das gesamte Wesen der Schildkröte. "Lebst du", so sagt er zu ihr, "bist du ja freilich Bannerin leidvollen Zaubers, stirbst du jedoch, dann kannst du herrlichst mir singen!"

Natürlich ist es richtig, dass unsere "harte Schale" manches Leid bannt. Selbstverständlich dürfen und werden wir auch in Zukunft versuchen, das Böse zu bekämpfen. Nur wird dieser Kampf nie zu einem Ende kommen. Ein Leben in Frieden und Freude ist also dadurch nicht zu erreichen.

Uns wird dabei eher das Lachen vergehen - und tatsächlich ist es uns weitgehend schon vergangen. Doch Hermes wäre kein Gott, wenn seine Botschaft darin bestünde, uns mitzuteilen, dass wir alles anders betrachten sollen.

Er zeigt uns durch seine Tat, was wir tun können, um jede Begegnung im Leben, gleich welcher Art, umzumünzen in einen persönlichen Gewinn. Hermes tötet die Schildkröte, spannt Saiten auf und funktioniert sie zur Lyra um.

Das allerdings ist wahrhaft göttlich und wäre würdig, von jedem Menschen angestrebt zu werden. Die harte Schale, ja letztendlich unser eigener Körper würde so zum Resonanzkörper werden, der die himmlisch-vollkommenen Harmonien zum Ausdruck bringt.

Und wie zu erwarten, singt Hermes Stegreiflieder zu Ehren der Musen, seines Vaters Zeus und seiner Mutter Maia - und natürlich am Ende auch zu seiner eigenen Ehre, begleitet von den herrlichen Klängen der neuen Lyra.

In der Odyssee lässt Homer bei einer Feier der Phäaken einen Sänger auftreten, der einen Hymnus auf Ares und Aphrodite singt. Hier erzählt uns Homer ein weiteres Beispiel zu unserem Thema. Die mit dem göttlichen Kunstschmied Hephaistos vermählte Liebesgöttin Aphrodite hintergeht ihren Gatten. Ist dieser nämlich aus dem Haus, dann eilt des Nachts Ares, der Kriegsgott herbei, um mit der schönen Aphrodite das Lager zu teilen. Durch Helios, dem Allsehenden, wird Hephaistos davon in Kenntnis gesetzt und sinnt - ganz menschlich - auf Rache. Er fertigt ein kunstvolles Netz aus unsichtbaren Metallfäden und spannt es über das Ehebett. Dann verabschiedet er sich wie gewöhnlich von seiner liebenden Gattin und reist offiziell ab nach seiner Insel Lemnos, wo sich die göttliche Schmiede befindet. Doch in Wirklichkeit bleibt er in der Nähe des Hauses. Und es kommt, wie es kommen sollte: Ares erscheint, begibt sich mit Aphrodite auf ihr Lager und Hephaistos lässt das Netz über sie herabfallen. Beide sind gefangen in den Maschen des Kunstschmiedes, der sofort alle Götter herbeizitiert und kategorisch die Bestrafung des Ares verlangt.

Da schmunzeln und witzeln nun die rund um das Bett versammelten olympischen Götter, den Göttinnen wird verständlicherweise dieser schändliche Anblick erspart. Alleine Poseidon ist ungehalten und dringt darauf, Ares sofort freizulassen. Doch Hephaistos will den Bösewicht nicht so ohne Weiteres davonkommen lassen. Die Situation spitzt sich zu, doch eine Lösung - im doppelten Sinne des Wortes - ist nicht in Sicht.

Da spricht Apollon zu seinem Bruder Hermes die Worte: "Hermes, Zeus-Sohn, Geleiter! Geber du des Guten! wolltest du wohl, gezwängt in starke Bande, schlafen im Bette bei der goldenen Aphrodite?" Da entgegnet ihm Hermes, der Geleiter: "Wenn dieses doch geschehen möchte, Herr! fernhintreffender Apollon! Da möchten Bande, dreimal soviel, unendliche, um mich herum sein und ihr zuschauen, Götter und Göttinnen alle: gleichviel! ich schliefe bei der goldenen Aphrodite!"

Die Antwort des Hermes bringt die Götter zum Lachen. Und bald ist auch Hephaistos wieder versöhnt mit seinem Schicksal. Er entfernt das Netz, Ares entschwindet auf Nimmerwiedersehen - und die "goldene Aphrodite" bleibt weiterhin die Gemahlin des Hephaistos.

Und für uns sind die unvergänglichen Worte des Hermes für immer aufgehoben. Betrachten wir sie etwas näher: Hermes antwortet zwar dem Apollon, doch er geht nicht auf dessen Fragestellung ein. Apollon fordert eine Einschätzung und somit eine Bewertung der Situation.

Hermes jedoch bewertet nicht. Indem er mit seiner Aussage ganz bei sich bleibt, ist seine Antwort ebenso unangreifbar wie überraschend: Es dürften noch mehr Bande ihn fesseln, wenn er nur bei Aphrodite liegen könnte.

Alle haben bis jetzt nur die Missetat des Ares betrachtet, besonders natürlich Hephaistos. Die Aussage des Hermes lenkt den Blick hin zu Aphrodite. Und was er sagt, trifft auf alle Götter zu, denn alle sind von der Schönheit der Göttin überwältigt.

Ein solcher Blickwinkel versöhnt sogar den göttlichen Schmied, immerhin ist er ja ihr Gatte und damit von allen Göttern bevorzugt.

Sich in allen Lebenslagen der Sichtweise des Hermes anzunähern, würde uns vieles erleichtern. Das ist kein "positives Denken", das uns Hermes lehrt, es ist vielmehr eine Sichtweise auf das Ganze, auf diese "Göttliche Komödie", in der auch wir unsere Rolle suchen - und womöglich eines Tages, wenn wir sie gefunden haben, mit Freude und Begeisterung spielen werden.

Autor: Wolfgang Denzinger

(aus: Abenteuer Philosophie Nr. 113)

 
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