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Es ist wirklich ein Abenteuer!

Man denkt dort weiter, wo man früher aufgehört hat nachzudenken.



Teilnehmerinnen eines  praktischen Philosophiekurses berichten über ihre persönlichen Erfahrungen


 

Liebe Leser und Leserinnen!

 

Um die Gegenwart zukunftsorientiert zu leben, gibt Neue Akropolis der Philosophie einen klassischen Sinn. Die klassischen Philosophen verstanden unter Philosophie nicht eine unter vielen verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, sondern die Grundhaltung jedes Menschen, der voll Staunen versucht, den Gesetzen des Lebens und des Kosmos auf den Grund zu gehen. Sie philosophierten nicht nur über, sondern für das Leben, und die Antworten, die sie fanden, waren zugleich immer praktische Hinweise darauf, wie man sein eigenes Leben bewusster in die Hand nehmen kann. Diese aktive Philosophie bringt Fühlen, Denken und Handeln miteinander in Einklang. Sie lehrt, selbständig zu denken und drei zu entscheiden.

 

Ziel unserer Kurse ist es, diese im ursprünglichen Sinne philosophische Handlung praktisch erfahrbar zu machen. Doch lassen wir unsere Kursteilnehmer selbst zu Wort kommen. In einem Interview haben Teilnehmer des Kurses „Abenteuer Philosophie" von ihren Erfahrungen berichtet, von denen wir Ihnen gerne einige Auszüge vorstellen wollen:



 

Marion


Ich bin Bankangestellte und 29 Jahre alt. Ich erwarte von dem Kurs, verschiedene Kulturen und Philosophien zu vergleichen. Es war mir wichtig, offen zu sein und mich nicht auf etwas festzulegen. Das traf auch gut ein. Neu war für mich, Geschichte neu zu erleben, sie aus einer ganz anderen Sicht zu sehen.

Gerade im Hinblick auf das Christentum oder auf Ägypten war neu, dass dieses Wissen nicht Vergangenheit, sondern lebendig ist und heute auch noch genutzt werden kann. Man sieht, dass Philosophie wichtig ist. Es tauchten Dinge auf, die mir vorher schon durch den Kopf gegangen waren, mit denen ich mich aber nicht weiter befasst hatte, weil ich dachte, es kümmert sonst niemanden. Schön war es, sowohl Neues zu erkennen, als auch Altes wieder zu finden.

Ich bin im Hinblick auf die Menschheit optimistischer geworden. Es gibt doch mehr Leute, die so denken wie ich und etwas verändern wollen. Man lebt normalerweise im Alltag, stumpft ab und jeder sagt: „Warum soll ich Rücksicht nehmen, die anderen tun es ja auch nicht." Wenn man aber Leuten begegnet, die ethisch denken, hat man wieder Hoffnung, dass etwas erreicht werden kann für Menschlichkeit und Verständigung.



 

Renate


Ich heiße Renate, bin 30 Jahre alt, Bankangestellte. Gekommen bin ich, weil mich Religionen interessieren und die Frage: Was ist Philosophie überhaupt? Ich kannte zwar den Begriff, wusste aber nicht, was dahintersteckt. Es interessierte mich Religionen vergleichen zu lernen. Denn man kennt oft nur das Christentum, hat entweder eine negative oder eine positive Einstellung dazu, kann aber keine Vergleiche ziehen. Nun habe ich zumindest eine Idee davon, was es alles gibt.

Was mich angeregt hat, war das Denken. Man fängt an, mehr zu hinterfragen, im Alltag, im Beruf, in der Politik, im Fernsehen. Man bekommt eine andere Wahrnehmung, geht aufmerksamer durch die Welt.

Die verschiedenen Gebiete wurden nicht, wie in der Schule, nur angerissen, sondern es wurden Zusammenhänge sichtbar.



 

Jutta


Ich bin Jutta und 37 Jahre alt. Ich hatte viele Jahre eine gewisse Unruhe in mir und suchte immer Antworten auf meine Fragen. Grundlegende Fragen, die sich wahrscheinlich jeder stellt, z.B.: Warum lebe ich? Was sind meine Aufgaben? Was passiert, wenn ich sterbe? Was ist das Ziel des Lebens? Diese Fragen haben mich jedenfalls wahnsinnig bewegt, und ich versuchte auf verschiedenen Wegen, Antworten zu finden. Ich vertiefte mich in verschiedene Religionen, zuerst in meine, das Christentum, weil man durch die Erziehung von Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen geprägt ist und sich verpflichtet fühlt, diesen Weg zu gehen. Ich kam aber immer wieder an einen Punkt, wo ich dachte, das ist es nicht, ich muss irgendwo weitersuchen. Ich kam durch Zufall zu einem Vortrag über Nostradamus hierher und spürte: Damit musst du dich mehr beschäftigen. Ich wollte Neue Akropolis näher kennenlernen, besuchte den Info-Abend und mir war gleich klar, dass ich an dem Kurs Abenteuer Philosophie teilnehmen werde.

Im täglichen Leben spüre ich als Ergebnis des Kurses eine größere innere Ausgeglichenheit und Liebe in mir, eine Liebe, die ich versuche weiter zu geben. Ich bin jetzt auch fähig, den Menschen und allen anderen Lebewesen mehr Akzeptanz entgegen zu bringen.

Neu war für mich die Erkenntnis, dass alles schon in mir selbst ist. Das war eine tolle Erfahrung. Es geht darum, Eigeninitiative zu übernehmen und Eigenverantwortung für das, was ich denke und tue. Wichtig war, die Einheit von allem zu erkennen, und, dass alles zusammenhängt und zusammenspielt.

Wir bekamen regelmäßig konkrete Aufgaben, die wir im Alltag umsetzen sollten. Da sah ich die Herausforderung. Das brachte mir sehr viel. Es waren ganz kleine Aufgaben, wie z.B. jeden Tag eine uneigennützige Tat tun, sich in andere hinein zu versetzen, sich zu konzentrieren. Das sind eigentlich ganz normale Verhaltensweisen, auf die man aber normalerweise nicht achtet. Wichtig ist, dass man versucht, seine Erkenntnisse in den Alltag einzubauen.



 

Gabriele


Ich bin Gabriele, 45 Jahre, Hebamme. Wenn ich je studiert hätte, wäre es Theologie, Psychologie oder Philosophie gewesen. Ich kam zu einem Vortrag über C.G. Jung hierher und war sofort begeistert, von dem Vortrag und von der Vortragenden. Ich dachte mir, einfacher kann man nicht mehr an Philosophie herankommen. Erst jetzt weiß ich, was Philosophie bedeutet.

Ich hatte zwar schon viele esoterische Bücher gelesen, aber letztendlich war alles neu für mich.

Der Kurs brachte mir etwas ganz Praktisches. Als kleines Mädchen versuchte ich christlich zu leben. Aber im Laufe des Erwachsenenlebens merkte ich, wie das abschlaffte. Ich distanzierte ich dann im Laufe der Zeit sehr von den christlichen Gedanken und stellte vieles in Frage. Jetzt merke ich, diese Sachen kommen wieder total auf mich zu. Sie sind wieder topaktuell, weil sie in allen Religionen vorhanden sind. Ich sehe da keinen Unterschied mehr. Da kommt für mich das Empfinden: Dann wird das ja wohl richtig sein. Dann sollte ich mich doch nochmals aufraffen und weitermachen. Es ist eine Möglichkeit der Erneuerung und den Weizen von der Spreu zu trennen.

Was ich hier auch so toll finde, ist die Mannschaft, es ist alles so lebendig. Das inspiriert mich, macht mir Mut, gibt mir Kraft. Man kann sich austauschen. Ganz praktisch hilft mir das auch bei meinen Hausbesuchen als Hebamme. Ich bekam ein ganz anderes Rückgrat.



 

Margot

Mein Name ist Margot, ich bin 42 Jahre alt und arbeite in der EDV-Branche. Wie kam ich hierher? Das verdanke ich Jutta, denn sie machte mich auf den Kurs aufmerksam. Wir unterhielten uns vorher schon immer über diese Themen, nur nicht so strukturiert. Wir konnten es nicht in Worte fassen und auch nicht in Lebensveränderungen münden lassen, wie es hier gelungen ist. Ich glaube, ich bin anderen Menschen gegenüber toleranter geworden. Ich mache mir mehr Gedanken über sie, über ihre Handlungsweisen, ihre Gründe und bin auch nicht mehr böse, wenn sie anders handeln als ich, denn diese Toleranz habe ich gelernt. Sich in den anderen hineinzuversetzen war auch eine Übung hier.

Eigentlich war alles neu für mich. Am meisten hat mich die kosmische Einheit beeindruckt, das Erkennen, dass du ein Teil dessen bist. Angesprochen hat mich im Prinzip alles. Ich wusste ja nie, was Philosophie im eigentlichen Sinne ist. Platon, Aristoteles oder Plotin einzuordnen, ihre Lehren nachzuvollziehen und zu erkennen, mit welcher Wertigkeit diese Aussagen heute noch gültig sind, das ist eine großartige Erfahrung. Wir sind nicht der Gipfel der Entwicklung, sondern befinden uns auf einer Entwicklungsstufe und müssen sehr viel an uns arbeiten.



 

Jutta

Es ist ein schönes Gefühl, diese Gemeinsamkeit zu spüren. Da ist etwas da, das man nicht in Worte fassen kann.



 

Margot

Jede Kursstunde war so entspannend. Für mich waren die Stunden Balsam für die Seele, weil seelische Dinge angesprochen wurden, die du sonst den ganzen Tag über nicht ansprichst. Es tut gut, über diese Dinge zu reden, sie sich von jemandem erzählen zu lassen und zu erkennen, dass sie wahr sind.

Auf jeden Fall muss man an dem Thema dran bleiben, denn sobald man aussetzt, kommt der Alltagssumpf schnell wieder. Man muss sich immer wieder zusammen reißen, sich an das Gehörte erinnern und es wieder bewusst leben. Das geht nur, wenn man mit Menschen zusammen ist, die ebenso denken. Wenn du Englisch gelernt hast und es nie sprichst, verlernst du die Sprache wieder. Genauso ist es in der Philosophie: Wenn du sie nicht lebst, dann vergisst du sie wieder.


Gabriele

Bei mir mindert es die Lebensangst, die Alltagslebensangst.



 

Margot


... und die Angst vor dem Tod. Das Thema Tod ist nicht mehr tabu. Wenn ich früher auf den Friedhof ging, dachte ich: Mein Gott, irgendwann liege ich auch mal dort, ich will so schnell wie möglich hier wieder fort. Wenn ich heute über einen Friedhof gehe, denke ich: Welch ein friedlicher Ort! Es ist nicht mehr dieses beängstigende Gefühl da, sondern ich weiß, dass es einTeil des Lebens ist.



 

Jutta

Durch das, was ich im Kurs gelernt habe, kann ich heute besser mit Ängsten umgehen. Sie sind teilweise verschwunden oder ich empfinde sie nicht mehr so schlimm, da ich innere Gewissheit, Sicherheit und Stärke gewonnen habe. Und damit verschwinden auch die Ängste.


Gabriele

Das Verständnis für die anderen nimmt zu, weil ich die größeren Zusammenhänge viel leichter erkennen kann.


Renate

Man denkt dort weiter, wo man früher aufgehört hat nachzudenken.



 

Jutta

Eine schöne Erfahrung ist festzustellen: Hoppla, es gibt ja außer dir noch andere Menschen, die die gleiche Sehnsucht haben, die ebenfalls suchen und mich inspirieren können. Oft werden philosophische Themen nur belächelt. Mir fehlte ein Austausch mit suchenden Menschen, den ich hier gefunden habe.



 

Margot

Ich würde den Titel „Abenteuer Philosophie" beibehalten. Es ist wirklich ein Abenteuer, sich mit sich selbst auseinander zu setzen und neue Dinge an sich zu entdecken. Man kann es gar nicht besser beschreiben.



 

(aus: Zeitschrift Neue Akropolis Nr. 67 von 1997)

 
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