Teresa von Avila
Teresa
von Avila, spanische Kirchenlehrerin des 16. Jahrhunderts, war keine
kitschige Heiligenfigur, sondern eine sehr vitale, starke Frau mit
allen Ecken und Kanten menschlicher Unzulänglichkeiten, Eitelkeiten,
Machtstreben und Kampfgeist – und eine der größten Mystikerinnen.
Spricht
man von Teresa, so spricht man von Gott, aber auch vom Mitmenschen und
von sich selbst. Ihr Portrait zeigt uns, dass Mystik nichts mit
Mystizismus, naivem Frommsein zu tun hat. Diese unfassbare
Persönlichkeit, die dynamisch die Schwelle zur Neuzeit überschritt,
vereint in sich den doppelten Aspekt ihres Lebens: kontemplative
Versunkenheit einerseits und unermüdliche Aktivität im Alltagsleben
andererseits. Gerade dies macht sie dem heutigen Menschen so
sympathisch. Sie zeigt uns, dass beide Wege einander nicht
ausschließen, sondern einander bedürfen.
Teresa
wusste sehr wohl, dass es nicht einfach ist „Herr über sich selbst, ein
reifer, verantwortungsbewusster, liebender Mensch zu werden“. Sie
schrieb daher nicht für die Trägen und Satten, die davor Angst haben
aufzuwachen und der Wahrheit ins Auge zu sehen. Teresa war eine
immerwährend tätige, verantwortungsbewusste Frau, die ihr Leben als
einmalige Chance betrachtete. Durch ihre Liebe und ihr Engagement
wollte sie diese Chance auch anderen bewusst machen. Es ging ihr nicht
um ihr persönliches Seelenheil, sondern um das ihrer Mitmenschen.
Teresa
lebte in einer Zeit, in der sich der Mensch langsam von den
Vorstellungen des Spätmittelalters löste und zu einem neuen
Selbstbewusstsein erwachte. Es war eine Zeit der Umwälzungen und
Entdeckungen. Die Erforschung des Menschen, seine innere Polarität,
trat nun in den Vordergrund. In der Kirche äußerte sich dieses neue
Weltbild durch die Reformation.
Als Frau des
16. Jahrhunderts durfte Teresa keine Universität besuchen. So lernte
sie durch Lektüre geistlicher Meister aus früheren Zeiten und war bald
mit den bedeutendsten Theologen und Wissenschaftlern ihrer Zeit
befreundet, die sie sehr schätzten und von ihr lernten. Für die
damalige Zeit revolutionär, lebte sie ganz selbstverständlich ein neues
Frauenbild und machte so den Frauen ihrer Zeit Mut, ihr Leben vor Gott
selbst in die Hand zu nehmen und die rein männliche Leitung des Staats-
und Kirchenwesens nicht als gegeben hinzunehmen.
Teresas Leben und Wirken
Teresa
wurde am 28. März 1515 in Avila geboren und wuchs in einer
kinderreichen Familie auf. Ihr Vater, Don Alonso de Cepeda, stammte aus
einer Handelsfamilie in Toledo und war jüdischer Herkunft. Sein Vater
war 1485 zum Christentum konvertiert. Die Mutter Teresas, Beatriz de
Ahumada, kam aus dem Stadtadel Avilas. Teresas Vater brachte zwei
Kinder mit in die Ehe, wozu noch neun aus der Ehe mit ihrer Mutter
kamen. Teresa war von diesen die Zweitälteste. Don Alonso war ein sehr
gütiger, ernster Mann, der sich nicht dazu überreden ließ, Sklaven zu
halten, im Gegensatz zu seinen Mitbürgern. Dona Beatriz, eine sehr
verständige, zarte Frau von großer Schönheit, hatte schon im jungen
Alter von vierzehn Jahren geheiratet. Die zahlreichen Schwangerschaften
und der aufwändige Haushalt muteten ihr sehr viel zu, so dass sie immer
kränkelte und bereits im Alter von vierunddreißig Jahren verstarb.
Teresas
Eltern waren sehr darauf bedacht, die Kinder im Geist des Evangeliums
zu erziehen. Sie lehrten die Kinder früh das Lesen von Schriften und
Heiligenlegenden. Berichte über Märtyrer veranlassten die
phantasiebegabte Teresa als Sechsjährige, mit ihrem Lieblingsbruder
auszuziehen, um im Land der Mauren den Märtyrertod zu erleiden – ein
Onkel brachte das Ausreißerpaar bereits vor den Stadttoren wieder
zurück. Später bewertete Teresa diesen kindlichen Drang sehr
realistisch. Ihre Motivation sei nicht Liebe zu Gott gewesen, „vielmehr
die Sucht, bald zu jenen großen Gütern zu gelangen, die es, wie ich
gelesen habe, im Himmel gibt“.
Das
verdeutlicht das kindliche Verständnis einer für die damalige Zeit
typischen Auffassung, nämlich sich das ewige Seelenheil durch das Opfer
des Lebens erkaufen zu können.
Teresas
Verlangen nach Einsamkeit, nach dem Tod, wurden nach dem Tod ihrer
Mutter (1528) abgelöst von ihrem Wunsch zu gefallen, Freundschaften zu
schließen, wobei ihr liebenswürdiges Wesen, ihr angeborener Charme und
ihr Temperament sie meist sehr schnell zum Mittelpunkt eines
Freundeskreises machten. Teresa war ein sehr aufgewecktes,
eigenwilliges Mädchen, sehr mit sich selbst beschäftigt, aber auch
weltlichen Vergnügungen und kindlichen Liebhabereien nicht abgeneigt.
In diesen Jahren entsprach Teresa also nicht frommen Erwartungen, erst recht nicht dem Klischeebild einer künftigen Heiligen.
Teresa
war in ihrer Selbstkritik diese Zeit betreffend sehr hart, betonte aber
auch gleichzeitig, nie etwas Unehrenhaftes getan zu haben. Ihre Ehre,
die Ehre vor der Welt, und die ihres Vaters war für Teresa zeit ihres
Lebens sehr wesentlich; darin entsprach sie ganz dem Bild einer
Spanierin ihrer Zeit.
Als Sechzehnjährige
brachte sie ihr Vater zur Erziehung in das Augustinerinnenkloster zu
Avila. Anfangs litt Teresa sehr darunter, doch bald fand sie dort ihr
inneres Gleichgewicht und gab auch ihre Feindschaft gegenüber dem
Ordensberuf auf. Großen Einfluss hatte eine Nonne auf sie, die mit
ihrer Freundlichkeit und ihrem überzeugenden Sprechen von Gott Teresa
anregte, dem Gebet mehr Zeit zu widmen.
Wegen
schwerer Krankheit verließ Teresa 1532 das Kloster, um sich auf dem
Land zu erholen. Auf dem Weg dorthin traf sie mit ihrem Onkel Don Pedro
zusammen, der durch seine Persönlichkeit, durch Gespräche und durch
Bücher des hl. Hieronymus, die die Freude einer völligen Hingabe an
schildern, Teresa wieder innerlich wachrüttelte.
Ähnliches
geschah immer wieder in Teresas Leben. Erfahrungen mit Gott werden
durch egoistische Welthingabe verdrängt; Freundschaften mit
gotterfüllten Menschen regen sie an, in Stille und Kontemplation die
Freundschaft mit Gott wieder zu suchen.
Wieder
einmal musste die inzwischen Zwanzigjährige einen heftigen inneren
Kampf durchstehen: Unzufriedenheit mit ihrem bisherigen Leben, Angst
vor dem Gericht, vor dem Tod, regten sie an, den Ordensstand zu wählen;
andererseits hielten Freude am Reichtum, an einem abwechslungsreichen
Leben sie wieder davon ab.
Auch wenn sie
später sagte, es habe sie eher „knechtische Furcht“ als Liebe zur
Nachfolge Christi geführt, so waren es doch mehr ihre Gotteserfahrung
und ihr starkes Ehrgefühl, welche ihr halfen, den für ihre Zeit-
typischen Heilsindividualismus zu überwinden. Natürlich darf man auch
nicht vergessen, dass sie als Frau ihrer Zeit nur zwischen Heirat und
Kloster wählen konnte, wobei Ersteres sie aufgrund des Lebens ihrer
Mutter sicherlich nicht so stark reizte.
Da
ihr ihr Vater die Einwilligung zum Klostereintritt nicht gab, floh
Teresa am 2. November 1535 aus ihrem Elternhaus und trat ins Kloster
der Menschwerdung (Santa Maria de la Encarnacion) in Avila ein.
So
hart der Ordenseintritt für Teresa auch gewesen sein mag, so stark war
ihr darauf folgender Friede. Trotz all ihrer körperlichen und
seelischen Leiden, die sie während ihrer zwanzig Ordensjahre erfahren
sollte, schrieb sie: „Als ich das Ordenskleid genommen hatte, ließ mich
der Herr verstehen, wie sehr er jenen hilft, die sich Gewalt antun, um
ihm zu dienen. Niemand sah es mir an, welch starken Willen ich
aufwenden musste ... Seit dieser Gnade empfand ich große Freude über
meinen Stand, die mich bis heute niemals verlassen hat. Gott
verwandelte die Trockenheit meiner Seele in größte Zärtlichkeit.“
Der
Eintritt ins Kloster beendete jedoch nicht Teresas inneren Kampf, im
Gegenteil, er intensivierte ihn noch. Die weltzugewandte,
kontaktfreudige Frau sehnte sich nach der Erfahrung der Nähe Gottes,
die ihr helfen sollte, Welt und Ewigkeit, Leben und Tod als Einheit zu
erfahren. Nur der Glaube an die Existenz Gottes genügte ihr nicht. Für
Teresa musste Gott lebendig, dem Menschen in allen seinen Höhen und
Tiefen nahe sein. Diese immer stärker werdende Einheit zwischen
menschlicher und göttlicher Liebe war für Teresa nur im Glauben an
Jesus Christus möglich. So sah sie Jesus auch nicht so sehr in seiner
göttlichen Erhabenheit, sondern den Menschen Jesus, der selbst Höhen
und Tiefen erlebte und ihr dadurch bei ihrem persönlichen Kampf half.
Glauben bedeutete für Teresa die Erfahrung Gottes in der Welt. Dies
geht nicht automatisch, sondern jeder muss von sich aus alles tun, um
Gott wahrzunehmen. So forderte sie, die Taten Gottes zu betrachten,
seine Spuren in der Schöpfung zu sehen, zu studieren, um die
menschliche Seele für die Wahrnehmung Gottes vorzubereiten. Erst dann
erkennt der Mensch, dass all sein Streben nur Antwort auf den Ruf
Gottes war, Vorbereitung für die Vereinigung mit dem Göttlichen. Dies
nannte Teresa Mystik, Leben mit Gott, inneres Gebet.
Teresas
Bedürfnis, Gott nahe zu sein, bewirkte, dass sie sich einerseits von
Theologen, erfahrenen Menschen beraten ließ und andererseits auch
selber apostolisch auf ihre Mitmenschen einwirkte; so brachte sie z.B.
einen Priester wieder auf den rechten Weg zurück.
Im
Kloster der Karmeliterinnen galt zwar die mildere Regel, doch Teresa
legte sich selbst übertriebene Bußübungen auf, züchtigte ihren Körper,
übernahm Nachtwachen. Sie kränkelte immer stärker, Kuraufenthalte
änderten nichts an ihrem Zustand; im Gegenteil, Fehldiagnosen der Ärzte
und Fehlbehandlungen ihrer vorwiegend psychisch bedingten Krankheit
verschlimmerten ihren Zustand immer mehr, bis 1539 ihr Ende gekommen
schien. Sie lag drei Tage wie tot da, und nur weil sich ihr Vater nicht
von ihr trennen konnte, blieb sie vor einer Beerdigung bei lebendigem
Leibe bewahrt. Danach war sie drei Jahre lang gelähmt. Diese Zeit
nutzte Teresa, um mit den Menschen über Gott, über ein christliches
Leben zu sprechen. Sie strahlte innere Freude und Geduld aus und wirkte
auf ihre Mitmenschen sehr stark vom Krankenbett aus.
1538
hatte sie ein Buch des Franziskaners de Osuna über das innere Gebet
gelesen, das sie stark beeindruckte. Seither betrachtete sie Osuna als
ihren Lehrmeister, da sie trotz vieler Begegnungen niemanden fand, der
sie auf ihrem Weg führen konnte. Das Gespräch mit Gott, angeregt durch
Osuna, fesselte sie so stark, dass sie Mittel wie Einsamkeit,
Meditation, Kontemplation einsetzte, um Gott, um eine tiefe Liebe zu
erfahren.
Man könnte sagen sagen, dass Teresa
ab ihrem Klostereintritt innerlich einer Zerreißprobe ausgesetzt war:
einmal die totale Hingabe an Gott, andererseits ihr starker Drang zur
Welt. Sie sollte auch viele Jahre brauchen, um darin einen Sinn zu
entdecken. Diese Krise, die sie an den Rand des Todes trieb,
wiederholte sich zwar nicht mehr in dieser Ausprägung, doch rang Teresa
lange Zeit darum, ihre Hingabe an die Welt in ihre Hingabe zu Gott
einfließen zu lassen.
1542 verbesserte sich
Teresas Gesundheitszustand. Sie war inzwischen 27 Jahre alt, galt als
gute Ordensfrau, die ihre Verpflichtung ernst nahm und durch schwere
Krankheit gereift war.
Doch ihre physische
Gesundheit verhalf ihr nicht zum inneren Frieden. So schrieb sie, sehr
streng mit sich selbst: „Ich begann, mich von einem Zeitvertreib in den
anderen, von einer Eitelkeit in die andere und von einer Gelegenheit in
die andere zu stürzen. Ich hatte mich in so viele Dinge eingelassen,
und meine Seele war von so vielen Nichtigkeiten verdorben, dass ich
mich schämte, Gott eine besondere Freundschaft, wie sie das Gebet ist,
zu schenken.“
Teresas Kämpfe und
Selbstanklagen sind nur im Hinblick auf ihre Berufung zur Kontemplation
zu verstehen und ihrem davon abweichenden Verhalten. Ihre Gottesliebe
bedeutete für sie nämlich auch konkret Dienst am Nächsten. Sie sah Gott
als die Mitte ihrer Existenz, als ihren persönlichen Partner. Mit ihm
ging sie zu den Menschen. Diese Hinwendung zum Nächsten musste sie
verbinden mit der Hinwendung zum Göttlichen, dessen Gegenwart sie im
Schweigen und in der Einsamkeit am besten erfuhr. Beides war für die
Kontemplation wesentlich; dies aufzugeben, bedeutete für Teresa „an der
Seele erkranken“.
So lebte Teresa bis 1554 in innerer Zerrissenheit und suchte vergebens nach geistlicher Führung.
1554
trat dann ein Ereignis ein, das Teresa auf ihrem Weg zu Gott
unterstützte und ihrer zermürbten Seele Linderung verschaffte. Vor
einem Christusbild in ihrem Kloster wurde sie plötzlich wachgerüttelt.
Sie sieht den von Wunden entstellten Herrn und erkennt ihren Mangel an
Hingabe. Dieses Erleben und die Lektüre der „Bekenntnisse“ des hl.
Augustinus, in denen sie ihre eigenen Nöte geschildert sah, gaben ihr
die weitere Richtung an. Das Erlebnis löste sozusagen die noch fehlende
letzte Entschlossenheit aus, den Mut, sich über Zeit, Situation und
„Frau sein“ hinwegzusetzen.
Teresa
entwickelte eine ihr eigene Art des Gebets, das für sie immer
essentieller wird, zu einer Art Lebenselixier. Darin reißt ihr Gespräch
mit Gott nie ab. Hinzu kamen Visionen, wo sie innerlich Christus sah,
besonders als den Auferstandenen. Diese Visionen, die sie in ihrem Buch
„Innere Burg“ beschrieb, gaben ihr Kraft auf ihrem Weg des Gebets. Ihre
im Gebet gefundene Freundschaft zu Gott, d.h. die Zurücknahme der
eigenen Aktivität und das Sich-Öffnen für die kontemplative Erfahrung,
beschrieb sie sehr klar in ihrer Biografie anhand des Bildes vom Garten
und den verschiedenen Möglichkeiten der Bewässerung.
Der
lange Prozess des Lernens führte Teresa von der „knechtischen Furcht“
um ihr eigenes Seelenheil – dem Anlass ihres Klostereintritts – zur
Freiheit im Einssein mit Gott. Im Gebet öffnete sie sich für den Dialog
mit Christus, dessen Nähe sie in Visionen unmittelbar erfuhr.
Ihre
individuelle Gottbezogenheit schloss aber den Dienst am Mitmenschen mit
ein: Teresas Gottes-Freundschaft ist unvorstellbar ohne ihre
Menschenfreundschaft, das eine bedingt das andere.
In
diese Zeit fiel daher nicht zufällig auch die Gründung ihres ersten
Reformklosters in Avila, dem weitere folgen sollten. So wurden die
Jahre 1560 bis 1562 für Teresas Leben entscheidend. Während eines
Gesprächs mit ihren „fünf Freunden“, mit denen sie geistig eng
verbunden war, nahmen ihre Reformpläne immer mehr Gestalt an. Teresa
fühlte sich gedrängt, ein kleines Reformkloster zu gründen, wo man nach
der ursprünglichen Regel des Karmel, formuliert im 13. Jahrhundert,
leben konnte.
Das Kloster der Menschwerdung
in Avila, in das Teresa 1535 eingetreten war, war so wie alle anderen
Klöster jener Zeit, kein Kloster wie wir es heute kennen. Klöster waren
damals sehr oft eine Zufluchtsstätte für adelige Töchter. Sie konnten
ihren Lebensstil im Kloster fortführen, hatten dort geräumige
Wohnungen, wohin sie weiterhin Freunde und Verwandte einladen konnten.
Teresa hat zwar immer betont, dass man auch dort ein Gott
wohlgefälliges Leben führen kann; für sie selbst herrschte aber zu viel
Unruhe und zu wenig Sammlung. Sie strebte mehr nach einer kleinen
Gruppe von Schwestern und Brüdern.
Die
Gründung eines Klosters bedingte eine Öffnung nach außen. Diese soziale
Aktivität war für eine Ordensschwester der damaligen Zeit mehr als
ungewöhnlich und brachte Teresa selbst bei den Karmeliterinnen
Misstrauen und sogar Feindschaften ein.
Trotz
aller Anfechtungen und Schwierigkeiten fand am 24. August 1562 die
Gründung des armseligen Klösterchens San José mit vier Ordensschwestern
statt. Teresa legte ihren Adelstitel ab und nannte sich fortan Teresa
de Jesús. 1563 wurde sie offiziell zur Priorin dieses Klosters ernannt,
schrieb Satzungen für ihre Schwestern, die der Papst bestätigte. Im
Klosteralltag war sie sehr praktisch, resolut und im Umgang mit anderen
immer ein Vorbild für ihre Schwestern.
Bald
erhöhte sich die Zahl der Schwestern auf die gewünschten dreizehn, die
sich Descalzas – Unbeschuhte – nannten, wobei die Ordensregel die
strenge Klausur, achtmonatiges Fasten und Bußübungen beinhaltete.
Teresa lag daran, ihre Schwestern zu freien Menschen zu erziehen, die
vor Gott selbständig denken und handeln. Bloße Gesetzesfrömmigkeit,
Mangel an Urteilsfähigkeit und geistige Engstirnigkeit lehnte sie ab.
Die
Gründung des Klosters verdeutlicht sehr anschaulich ein typisches
Charaktermerkmal Teresas. Auf dem ersten Höhepunkt ihrer mystischen
Erfahrung widmet sie sich nicht nur ihrem persönlichen Seelenheil,
sondern öffnet sich ganz nach außen. Charakteristisch für ihr Leben
ist, dass Kontemplation und Aktivität einander ergänzen,
zusammengehören. Sehr deutlich ist dies aus ihrem mystischen Hauptwerk
„Die innere Burg“ zu erkennen, wo sie die beiden biblischen Frauen, die
kontemplative Maria und die praktische Martha, zum Vorbild nimmt.
Ab
1567 begann die Reform sich durchzusetzen. Teresa wurde ermutigt,
weitere Klöster zu gründen, auch Männerklöster. So begann sie mit
zweiundfünfzig Jahren landauf, landab zu ziehen und unter
abenteuerlichen und erschreckend ärmlichen Verhältnissen Klöster zu
gründen, achtzehn bis zu ihrem Tod. Von den einen wurde sie bewundert
und geliebt, von anderen als ungehorsam, anmaßend und als ruhelose
Vagabundin verurteilt.
1571 wurde Teresa
wieder in das Kloster der Menschwerdung zu Avila zurückgerufen, wo sie
für drei Jahre das Amt der Priorin übernehmen sollte. Dies war nicht
ihr eigener Entschluss, sondern sie befolgte die Anweisung ihres
Oberen, der sich von Teresa eine Reform des Klosters erhoffte. Teresa
wurde nicht gerade freudig empfangen, doch mit Geschick und großer
Energie gelang es ihr, die ihr zugeteilte Aufgabe zu erfüllen. Aufgrund
ihrer Persönlichkeit und ihres Charismas konnte sie bald die Schwestern
für sich gewinnen, obwohl sie den „Beschuhten“ erhebliche
Einschränkungen verordnete. Sie machte ihnen bewusst, dass sie in einem
Karmelkloster lebten, nicht in einem Wohnstift.
1574 endete Teresas Auftrag, und sie kehrt in ihr Kloster San José zurück.
Durch
den Erfolg der Reform wuchsen auch die Widerstände, besonders im
männlichen Orden. Ab 1575 spitzte sich die Lage so zu, dass das Werk
Teresas ernsthaft bedroht war, wobei die Ursachen für den Konflikt
zwischen der Reform Teresas und dem Stammorden vielschichtig waren. In
dieser schweren Zeit wurde für Teresa Pater Gracian, ein Angehöriger
des Männerkarmel, den sie sehr schätzte, eine große Hilfe. Als Gracian
zum Visitator des Gesamtordens ernannt wurde, brach der berühmte
„Sturm“ los, in dem Teresas engste Mitarbeiter ins Gefängnis kamen und
sie selbst – neben Schwierigkeiten mit der Inquisition – vorläufig
keine Klöster mehr gründen durfte.
Der neu
ernannte Nuntius der Beschuhten bezeichnete Teresa als eine „unstete,
ungehorsame und widerspenstige Vagabundin“, die „unter dem Schein der
Frömmigkeit schlechte Lehren erfindet, die außerhalb ihrer Klausur
umherschweift und sich als Lehrerin ausgibt, entgegen dem Gebot des
Apostels Paulus, wonach Frauen nicht lehren dürfen“.
Die
Kämpfe wurden beendet, indem vom König selbst Frieden zwischen den
unbeschuhten und beschuhten Karmelitern gestiftet wurde und der Papst
die Eigenständigkeit der Descalzos bestätigte, zu deren Vorsitzenden
1581 Pater Gracian gewählt wurde. 1580 konnte Teresa ihre
Gründungstätigkeit wieder aufnehmen.
Trotz
schlechter Gesundheit und großer Übermüdung besuchte sie 1582 das
Kloster Alba de Tormes, um dort Schwierigkeiten zu regeln. Dort
erkrankte sie schwer, sie bekam hohes Fieber und starke Blutungen.
Am
4. Oktober 1582 starb Teresa in den Armen einer ihrer
Lieblingsschwestern. 1614 wurde sie selig gesprochen, 1617 zur
Schutzpatronen Spaniens ernannt und 1622 heilig gesprochen.
Am
27. September 1970 wird Teresa vom Papst Paul VI. als erste Frau zur
Kirchenlehrerin ernannt, die von der Kirche dafür verlangten
Voraussetzungen sind Rechtgläubigkeit der Lehre, Heiligkeit des Lebens
und hohe wissenschaftliche Leistung.
Resümee
Beschäftigt
man sich mit der Persönlichkeit Teresa von Avila, so kommt man nicht
umhin, von ihr fasziniert zu sein. Sie gibt auch den Menschen der
heutigen Zeit Mut, sich voll und ganz für das als richtig Erkannte
einzusetzen und sich nicht durch Rückschläge entmutigen zu lassen. Sie
spricht gerade auch die Frauen unserer Zeit an, die ähnlich wie Teresa
mit Schwierigkeiten und Diskriminierung zu kämpfen haben. Zeit ihres
Lebens konnte sich Teresa nur aufgrund ihrer Unerschütterlichkeit in
einer frauenfeindlichen Gesellschaft durchsetzen.
So
mögen einige ihrer Charaktereigenschaften uns heute noch Orientierung
geben: Mut, Tatkraft, Geduld, Frohsinn, Ehrlichkeit vor sich selbst und
anderen, Steh-auf-Männchen-Mentalität, Humor und immer wieder Liebe.
Teresas
Leben war gekennzeichnet vom Spannungsfeld innerer und äußerer
Aktivität. Dass sie darin eine Synthese gefunden hat – die Einheit von
Mystik und Tat –, kennzeichnet diese große Persönlichkeit. Diese
Einheit wird von jedem Menschen gefordert und in besonderer Weise von
der Frau unserer heutigen Zeit.
Literatur:
• Waltraud Herbstrith: „Teresa von Avila: Lebensweg und Botschaft“, Neue Stadt 1996
• Erika Lorenz: „Teresa von Avila: Ich bin ein Weib – und obendrein kein gutes“, Herder Spektrum 1998
• Eberhard Horst: „Die spanische Trilogie: Isabella, Johanna, Teresa“, Claassen 1989
Autorin: Waltraud Kick
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